Aufsatz 
Altertümer aus Waldeck und Pyrmont /Hermann Genthe
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nicht fränkisch zu betrachten ist und vielmehr spätrömisch erscheint? Es bedarf solcher Erörterungen gar nicht mehr. Lindenschmit hat, wie er mir briellich mittheilte, dèem Graſen de Linas bereits den Nachweis geliefert, dass dieselbe Blattform, welche letzterer durchaus nur orientalisch-sassanidischen Emailarbeiten zugestehen will, auch auf emaillierten Fibeln römischer Soldatengräber des Mainzer und Landshuter Museums vorkommt. Damit fällt auch dieser Einwand, welcher von denen gemacht werden konnte, die dem Pyrmonter Quell- fund kein höheres Alter als das 6. Jahrhundert und keinen römischen Ursprung zugestehen wollen.

Für letzteren spricht ganz entschieden auch die allgemeine Form des Gefässes. Mit Recht weist aus'm Weerth(Jahrb. d. V. v. A. i. Rh. 1865. S. 59) darauf hin, dass diese nach allen uns zu Gebote stehenden Analogien weit mehr römischen als mittelalterlichen Ge- fässen entspricht und dass ihm ein mittelalterliches dieser Form nicht bekannt sei. In der That entfernt sich die Form nur in Kleinigkeiten von den pompejanischen Weinschöpfern. Ich verweise dafür auf die Abbildungen in L. Barré, Herculanum und Pompeji. Hamburg 1841. 6. Bd. Tf. 68. Zur vollsten Bestätigung dient endlich ein 1834 zu Bartlow(Grafschaft Essex) in einem römischen Grabe gefundenes Gefäss. Zwar hat dasselbe eine andere Form, aber es zeigt als Stoff dasselbe helle Erz, als Farben des Emails ebenfalls Roth, Blau und Grün, als Ornamente ausschliesslich Blätter und Linien, und hinsichtlich der Metallarbeit die- selbe Art des überragenden und in kleine Kuppen ausgeschlagenen Randes.(Vgl. die Abbil- dung bei Labarte, recherche sur la peinture en émail. Paris 1856. Planche B. No. 6 und des- selben Verfassers Handbook of the arts of the Middleage. p. 126.)

Es bleibt nun noch der kleine Löffel aus Bronze. Von ihm sagt v. Olfers(Arch. Anz. 1864. S. 220.) die Form desselben mit der Traube am Ende des Stieles stimme ganz mit den Formen des 15. und 16. Jahrhunderis. Auch könne das im Innern des Löffels einge- prägte Meisterzeichen(drei Löffel mit Spuren von 2 Buchstaben an der Seite derselben), nicht einem römischen Fabrikanten angehören. Soweit v. Olfers. leh bemerke zunächst, dass das fragliche Fabrikzeichen nicht aus drei Löffeln, sondern aus einem Monogramm be- steht. Dieses Monogramm zeigt eine Verbindung von zwei O-Buchstaben, einen liegenden Rhombus und zwei Verticalstäben und bildet somit nicht das geringste Bedenken gegen die Annahme antiker Herkunft auch dieses Geräthes. Es kommt dazu, dass das Metall desselben ganz die gleiche helle Bronze ist, aus welcher eine Anzahl der grösseren Gewandnadeln und die Schöpfkelle bestehen. Endlich ist die Verzierung des Stieles am Ende mit einem Pinien- zapfen eine an römischen Industrieerzeugnissen(Haarnadeln, Löffeln, Kellen u. dgl.) oft auftretende. Auch die allgemeine Form des Löffels stimmt mit der, welche unzweifelhaft römisches Geräth, z. B. pompejanische s. g. Weihrauchlöffel zeigen.

Was die Frage anlangt, wie diese Gegenstände in die Quelle zu Pyrmont gelangten, so haben die Besprechungen von vorn herein mit Recht an einen Quellencultus gedacht. Auch hier- für statt einer erschöpfenden Erörterung nur einiges neue Material. In nicht wenigen Mineralbrunnen des westlichen Deutschlands sind bei Reinigung derselben römische Fundstücke zu Tage gekommen. So zu Roisdorf und Tönnisstein, im Heilborn, im Brohlthale und Ge- rolstein. Vgl. Lersch, Geschichte der Balneologie 1863. Auch in Ems hat man römische