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thetiſchen Form verwechſelt, und ſagt, man habe ihn gelehrt, die Erde würde ſich um die Sonne drehen, ſo wüßte ich nicht, wie ihm dieſer Fehler deutlich gemacht werden könnte, ohne den Be⸗ griff der Bedingung und indirecten Rede, und ferner der Zeiten, da für die Zukunft auch in der indirecten Rede„ich würde ſein“ gilt. Auch der Unterſchied zwiſchen wenn und wann, in ſeinem Gegenſatze zu dem ganz verſchiedenen zwiſchen si und quand, ſetzt zu ſeinem Verſtändniß den Begriff des Bedingungſatzes, des Zeitſatzes und der indirecten Frage voraus.
Und ſelbſt ohne ſolche praktiſche Nothwendigkeit tritt eine grammatiſche Erſcheinung ſofort in ein anderes Licht, wenn mit der Benennung das allgemeine Geſetz zum Bewußtſein gelangt. Welcher Gebildete aber wird dies entbehren wollen? Daß es verſchiedene Redetheile, Flexionen, Ableitungen und Präfixe u. ſ. w. gibt, ſind Entdeckungen; nicht künſtliche Formeln erfahren wir in der Gram⸗ matik, ſondern die wirkliche Analyſe der Sprache. Es gibt heutzutage Schulmänner, welche wün⸗ ſchen, daß 10jährige Knaben„anſchauen“ ſollen, was ein Ikoſaéder iſt, hingegen über den Bau des größten Wunders der Geiſteswelt ſie in gänzlicher Unſchuld laſſen möchten. Vielleicht iſt aber die geheime Hoffnung dabei im Hintergrunde, daß ſie bei Gelegenheit des Lateiniſchen und Fran⸗ zöſiſchen von ſolchen Dingen hören, und alsdann wenigſtens von dem deutſchen subjonctif oder défini reden werden. Iſt dies nun aber nicht erſt recht ſynthetiſch? und ſoll die ſprachliche Aus⸗ bildung des deutſchen Volkes von der Erlernung fremder Sprachen abhängig gemacht werden? Der richtige Weg kann nur der umgekehrte ſein. Das Bewußtſein von dem Weſen und Bau der Sprache muß an der eigenen, wohlvertrauten, geweckt werden; ſie wird dadurch zugleich das Mittel, wodurch der fremde Sprachbau bewußt aufgenommen und begriffen wird.
Ich halte es nicht für unmöglich, daß eine gewiſſe Uncorrectheit und Schwerfälligkeit, welche ſich in der deutſchen Tagesliteratur häufig findet, während wir z. B. in Frankreich auch das Mittel⸗ mäßige in leidlich correcter Faſſung auftreten ſehen, von dem Mangel an Schule, der Vernach⸗ läſſigung der Grammatik herrührt. Und wenn die Ideale der gänzlichen Agrammatie in der Schule verwirklicht werden ſollten, ſo würden wir zuletzt vielleicht unſerer papierenen deutſchen Sprache gar wieder ledig werden. Indeſſen ſcheint dieſe Richtung in der jüngſten Zeit doch nicht weiter um ſich zu greifen, wie ſich denn u. A. in Beziehung auf Gymnaſien Tomaſchek im Jahre 1866 gegen die⸗ ſelbe erklärt, und bemerkt,„daß die Stimmen, welche allen grammatiſchen Unterricht in der Mutter⸗ ſprache auf den unterſten Stufen beſeitigen wollen, immer ſeltener werden, ja daß die hie und da geltende Verordnung, ſprachliche Bemerkungen lediglich an die Lectüre anzuſchließen, wohl die überwiegende Zahl practiſcher Schulmänner gegen ſich vereinigt ¹).“
Es iſt allerdings wahr, daß Homer keine griechiſche Grammatik gekannt hat, und daß Sophokles keine Ahnung davon hatte, daß, und warum er hier einen Conjunctiv mit an, dort einen bloßen Optativ gebrauchte. Iſt dieſe Thatſache, daß die größten Geiſteswerke der Vorzeit ohne alle Beihülfe der
¹)„Die deutſche Grammatik im Unter⸗Gymnaſium“ in der Zeitſchr. f. d. öſterr. Gymn. S. 339 ff. Von älteren Stimmen möge hier beſonders Hiecke Erwähnung finden(„Der deutſche Unterricht auf deutſchen Gym⸗ naſien“, Leipzig 1842, S. 195 ff.). Auch Prof. Bonitz betonte im Jahr 1852 R. v. Raumer gegenüber die Noth⸗ wendigkeit„ausdrücklicher Bemühungen um deutſche Grammatik in beſonderen Lectionen des Unter⸗Gymnaſiums.“ Raumer erklärte ſich hiermit im Weſentlichen einverſtanden. Vergl. Raumer's geſ. Schr. S. 209, und To⸗ maſchek a. a. O. S. 361 ff. Auch Grimm hat in der zweiten Auflage der Grammatik(1822) ſeine Anſicht be⸗ deutend modificirt. Ph. Wackernagel hat dieſelbe jedoch in ihrer anfänglichen Schärfe wieder aufnehmen zu müſſen geglaubt.(„Der Unterricht in der Mutterſprache“. Stuttgart 1843.)


