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deutſche innerlich überſetzt werden, ſondern ſofort hochdeutſch in ihm entſtehen. Darum und aus keinem anderen Grunde wird es von dem natürlich kindlichen Gefühl lächerlich gefunden, und wie ich glaube, mit Recht, wenn eine ſuperkluge Reflexion auf den Gedanken kommt, an einem Orte und über Dinge, die dem Kinde nur in hochdeutſchem Lichte zu erſcheinen pflegen, ſeiner Sprachgewohnheit, ſeinem Sprachgefühle zuwider, in die Mundart zu verfallen. Ich wenigſtens glaube nicht, daß für die Empfindung z. B. eines Frankfurter Knaben der Satz„die Erde iſt der Schemel meiner Füße“ gewinnen werde, wenn man ihm ſagt, daß der Schemel die Scha⸗ well bedeute ¹). Eine derartige Bemerkung über den Gegenſatz zwiſchen Schriftſprache und Dia⸗ lect kann höchſtens den Dialect als ſolchen zum Bewußtſein bringen; ſie wird anſtatt, wie beab⸗ ſichtigt, das Hochdeutſche durch den Dialect, vielmehr umgekehrt dieſen durch jenes vermitteln und gleichſam Dialectgrammatik anſtatt der deutſchen lehren ²).
V.
Analntiſche Entwickelung der Grammatik aus dem Keſeſtoff.
Nach alledem wird, wenn deutſche Grammatik denn doch gelegentlich gelehrt werden ſoll, nur der hochdeutſche Sprachſtoff Veranlaſſung dazu bieten dürfen. Dies hieße dann ſoviel, als daß die Grammatik aus dem Geleſenen analntiſch entwickelt werde. In dieſer Geſtalt wird denn auch die Forderung nicht ſelten geſtellt; ob ſie jemals erfüllt worden iſt, kann ich nicht ſagen. Denn es iſt leicht, ſyſtematiſche Grammatik nicht zu lehren, aber dafür auch analytiſche Grammatik wirklich zu lehren, iſt weniger leicht. Es iſt das freilich eine bloße Frage der Me⸗ thode; inſofern aber die analytiſche Methode hier auf einer Theorie beruht, kann ich nicht um⸗ hin zu bekennen, daß ich ſie für falſch halte. Der Menſch hat in jahrtauſendelangem Studium die Natur durch das Syſtem beherrſcht, und es iſt aller Grund vorhanden, dieſe Errungenſchaft nicht leichten Kaufes preiszugeben. Sollen wir warten, bis ſich alle Pflanzen in Wieſe und Wald in der Anſchauung jedes einzelnen Menſchen zuſammengefunden haben, ehe wir der Verwirrung, die die ungeordnete chaotiſche Maſſe in ihm hervorrufen muß, durch Mittheilung längſt entdeckter Ordnung löſen? Sollen wir nicht der neuen Generation erzählen dürfen, daß eine vorige die Maſſe der Stoffe auf eine geringe Zahl von Elementen zurückzuführen gelernt habe, nicht die Geſetze der Mechanik, der Electricität nach ſelbſt gewählter Anordnung der Experimente lehren, ſondern alles aus der complicirten Einzelerſcheinung erſt analyſiren müſſen? Die Grammatik iſt die Theorie, das Beiſpiel Experiment; die Entwickelung der Grammatik aus dem Ganzen einer Schiller'ſchen Ballade iſt eine Verderbung beider, der Grammatik und der Ballade. Ich will den
¹) Schawell iſt Fremdwort, nämlich das lateiniſche scabellum, während Schemel aus dem uncorrecten ſpäten scamellum entſtanden iſt, auf welche Bildung das m in scamnum, Bank(aus scabnum von scabo, ſchaben) eingewirkt hat. Eigentlich iſt alſo Schemel die uncorrectere Form.
²) Vergl. Dr. J. A. Finger's„Frankfurt a. M. als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung“, 1869, S. 19, wo auch die Entſcheidung holſteiniſcher Lehrer gegen die Anſicht Burgwardt'’s in Wismar an⸗ geführt wird, die ſich(i. J. 1859) dahin ausſprachen, daß das Hochdeutſche auch bei ihnen„den Kleinen gar nicht ſo unverſtändlich ſei, wie behauptet werde.“
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