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Im Laufe der 5 Schuljahre wurden an den 21 ¹) hier in Betracht kommenden Anſtalten, ohne Unterſchied der Schulgattung, jene 137 Schriftwerke insgeſamt 560 mal geleſen, und zwar nach Schulen und Klaſſen geordnet, nach folgendem Schema:
In 10 Gymnaſien 332 mal(208 mal in I, 108 mal in II, 16 mal in III). In 3 Realgymnaſien 80 mal(47 mal in I, 33 mal in II, O mal in III). In 12 Realſchulen 148 mal(99 mal in I, 42 mal in II, 7 mal in III).
In Durchſchnittszahlen ausgedrückt, würde ſich für die Prima der Vollanſtalten und die 1. Klaſſe der Realſchulen die Sache etwa folgendermaßen geſtalten: ²)
In den 21 Unter⸗ und Oberprimen der 10 Gymnaſien(2 Gymnaſien mit Doppelklaſſen, 3 mit vereinigten Primen) wurde im Laufe von 5 Jahren 208 mal geleſen; dies ergibt für 1 Klaſſe 9,9, oder etwa 2 mal(d. h. 2 verſchiedene Schriftwerke) für 1 Jahr.
In den 8 Unter⸗ und Oberprimen der 3 Realgymnaſien(1 Anſtalt mit Doppelklaſſen) wurde in 5 Jahren 47 mal geleſen; dies ergiebt für 1 Klaſſe nahezu 6 oder 1,2 für 1 Jahr.
Hierbei iſt zu bemerken, daß am Realgymnaſium Mainz, nach Ausweis der Programme, die Chreſto⸗ mathie abſolut vorzuherrſchen ſcheint. Rechnen wir daher dieſe Anſtalt ab, ſo ergiebt ſich die Ziffer 1,6 für 1 Jahr; immerhin bedeutend geringer, als bei den Gymnaſien, während das umgekehrte Verhältnis erwartet werden ſollte.
In 12 erſten Klaſſen der Realſchulen(davon 2 mit Gymnaſien, 2 mit Realgymnaſien vereinigt) wurde in 5 Jahren 99 mal geleſen; das macht für 1 Klaſſe 8,25 oder 1,65 auf 1 Jahr, alſo faſt dieſelbe Ziffer wie bei dem Realgymnaſium. Da jedoch die 1. Klaſſe der Realſchule der OII des Realgymnaſiums entſpricht, ſo ergibt ſich hieraus die Thatſache, daß letztere Schulgattung in Wirklichkeit, wenigſtens was das Leſen zuſammenhängender Einzelwerke anbelangt, den geringſten Prozentſatz in Bezug auf den behandelten Lektüreſtoff aufzuweiſen hat. Hieraus dem Realgymnaſium einen Vorwurf zu machen, wäre entſchieden verfehlt, denn, wie ſchon oben bemerkt, iſt das Dilemma zwiſchen Chreſtomathie⸗ und Schriftſtellerlektüre grade an dieſer Schulgattung am fühlbarſten. Da nach dem Lehrplan eine größere Chreſtomathie zu benutzen iſt und dieſe Handhabung ſomit einen großen Teil der für Lektüre verwendbaren Zeit in Anſpruch nimmt, ſo kommt natürlich dadurch das Leſen von zuſammenhängenden Werken zu kurz. Ob der jetzige Zuſtand ein Vorteil oder Nachteil iſt, wage ich hier nicht zu entſcheiden; jedenfalls wäre hier eine feſte Norm für alle Anſtalten dieſer Gattung ſehr am Platze.
Wir ſehen ſomit, daß an den oberen Klaſſen unſrer höheren Schulen durchſchnittlich 1,6—2 Schriftwerke im Laufe eines Schuljahres geleſen werden und dieſer Durchſchnitt dürfte auch vollauf genügen; ohne Benutzung der Chreſtomathie iſt wohl die Zahl von 2 Werken pro Jahr und Klaſſe als Norm anzuſehen, wenigſtens für Prima und Oberſecunda der Vollanſtalten, ſowie für Klaſſe I der 6 klaſſigen Realſchulen.
Wie verſchieden die Handhabung der Lektüre an den einzelnen Anſtalten des Landes iſt, zeigt folgende überſicht, bei der ich jedoch die vereinigten Anſtalten(Gymnaſium mit Realſchule) als eine betrachtet habe). Es wurde geleſen am:
1. Ld. Gg. G. Darmſtadt(O. u. H. cöten) 42 Werke 74 mal. 2. N. G. Darmſtadt. 42 W. 49 m. 3. G. Bensheim 15 W. 31 m. 4. G. u. R. Offenbach 9 W. 15 m. 5. G. Mainz 31 W. 61 m. 6. G. u. R. Worms 33 W. 64 m. 7. G. Gießen, nach den Angaben der Programme ſchwer zu beſtimmen. 8. G.
¹) Eigentlich 25, bei Berückſichtigung der mit Vollanſtalten verbundeuen Realſchulen; Friedberg iſt den Gymnaſien zugezählt.
²) Von einer Angabe der Zahlen für Kl. II und III habe ich abgeſehen, da ſich dies ja leicht aus dem Endreſultat der Tabellen berechnen läßt.
³) Diejenigen Werke, deren Lektüre ſich auf 2 Schuljahre, reſp. Klaſſen verteilt, oder, genauer ausgedrückt, die in der einen Klaſſe angefangen, in der nächſtfolgenden fortgeſetzt und vollendet wurden, mußten hier doppelt gezählt werden, doch dürfte dieſer Umſtand, bei der geringen Anzahl dieſer Fälle, auf die Geſamtüberficht nur von geringem Einfluß ſein.


