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bürdung eintreten muß, iſt eine Frage, der ich hier nicht näher treten kann. Nur ſoviel ſei hier bemerkt, daß an unſerer Anſtalt eine Chreſtomathie für das Engliſche ſchon ſeit Jahren nicht mehr im Gebrauch iſt, die für das franzöſiſche(Herrig, la France litt.) ſeit 1 Jahr vorläufig beiſeite gelegt worden iſt, da ſie den neuen Anforderungen nicht mehr vollauf entſpricht und eine Neueinführung, bei den zumeiſt hohen Anſchaffungskoſten eines größeren Leſebuchs ihre Bedenken hat, die wohl in dem oben Geſagten be⸗ gründet ſind.—
Nachdem die erſte Kanonliſte für franzöſiſche Schulausgaben erſchienen iſt, iſt es wenigſtens für dieſe Sprache jedem Fachkollegen möglich, ſich eine paſſende, für die betreffende Klaſſe geeignete Lektüre auszu⸗ ſuchen und er iſt nicht mehr darauf angewieſen, lediglich den Angaben der Verlagskataloge zu folgen, die wohl bei der Verteilung der einzelnen Bändchen nach Klaſſen ganz gewiſſenhaft zu Werke gegangen ſein mögen, deren Urteil jedoch für die Fachleute nicht überall maßgebend ſein kann, umſomehr, als ſich dieſe Angaben nur zu häufig widerſprechen. Wenn dagegen die Kanonliſte eine diesbezügliche Angabe macht, wenn ſie im Allgemeinen die Klaſſenſtufe angiebt, für die der betreffende Band geeignet iſt, ſo geht hier das Urteil von einer ganzen Reihe von Sachverſtändigen aus; hier darf ſich alſo jeder mit gutem Ge⸗ wiſſen Rats erholen. Dazu kommt noch als ſehr wichtiger Umſtand, daß die Kanonliſte für jedes Werk die empfehlenswerteſten Ausgaben, reſp. den Verlag angiebt, ſo daß auch in dieſer Beziehung Mißgriffe künftig leichter vermieden werden können. Iſt erſt die Liſte auch für das Engliſche erſchienen ¹), dann dürfen wir hoffentlich ſagen, daß wenigſtens die Zeiten abſoluter Regelloſigkeit vorüber ſind und daß dann auch der noch weniger erfahrene, jüngere Lehrer ſich ſeine fremdſprachliche Lektüre wird ausſuchen können, ohne einen allzu groben Fehlgriff zu begehen, wie es jetzt leider noch allzu häufig der Fall iſt.2)—
Bei Aufſtellung und Anordnung der folgenden Tabellen bin ich im Großen Ganzen dem Vorbild Reichel's(Neuere Spr. VII, H. 3 u. 4) gefolgt. Es wird bei jedem der alphabetiſch geordneten Schrift⸗ ſteller, bezw. bei jedem einzelnen Werke angegeben, wie oft dasſelbe in den einzelnen Klaſſen der verſchiedenen Schulgattungen geleſen wurde und zwar in dem Zeitraume der 5 Schuljahre 1894/95— 98/99. Ober⸗ und Unterprima hierbei zu trennen, iſt wohl überflüſſig, dagegen iſt eine Sonderung von U II und 0II am Platze, umſomehr als UII die Klaſſe iſt, in der in weitaus der Mehrzahl der heſſiſchen Anſtalten die zuſammenhängende Schriftſtellerlektüre beginnt; OIII und UIII werden wieder zuſammengefaßt, da die Anzahl der in dieſen Klaſſen geleſenen Werke ganz minimal iſt. Wenn Reichel für Real⸗ und Oberreal⸗ ſchulen noch Kl. IV heranzieht, ſo iſt dies für unſere Zwecke belanglos. Bei der Liſte für die franzöſiſche Lektüre iſt bei den in die Kanonliſte aufgenommenen Schulausgaben die dort angegebene Klaſſenſtufe (s. v. K.) beigefügt, was zur Vergleichung der bei uns geübten Praxis mit der Liſte von Intereſſe iſt. Ebenſo konnte ich dies thun bei Aufſtellung der engliſchen Tabelle nach dem mir von Herrn Kollegen H. Müller gütigſt zur Verfügung geſtellten Manuſkript der engliſchen erſten Kanonliſte. In der Tabelle für das Engliſche iſt für die Gymnaſien natürlich nur Kl. I zu berückſichtigen.
Manche der in den Programmen als ſelbſtändige Lektüre angegebenen Werke ſind ſcheinbar nach Chreſtomathien geleſen; bei einigen wenigen gelang es mir nicht, an der Hand der mir vorliegenden Kata⸗ loge, die Herkunft der betr. Ausgabe zu beſtimmen.
Wie ſchon oben bemerkt lieferten mir die Jahresberichte der 10 Gymnaſien, 3 Realgymnaſien und 11 Realſchulen(eigentlich nur 8, da für die Anſtalten in Darmſtadt, Heppenheim und Gernsheim die Angaben fehlen) das Material zur Aufſtellung der nachfolgenden Tabellen. Rechnet man die mit den Gymnaſien oder Realgymnaſien verbundenen Realſchulen zu Offenbach, Gießen, Friedberg, Mainz und
¹) Nach Mitteilung von Herrn Profeſſor Dr. H. Müller in Heidelberg wird die erſte engliſche Liſte etwa bis Oſtern d. J. vollendet ſein und auch alsbald im Druck erſcheinen.
²) Ich bemerke hier ausdrücklich, daß ich in Bezug auf die Mängel, die ſich bei Auswahl und Betrieb der neuſprach⸗ lichen Lektüre im Allgemeinen geltend gemacht haben, und die aus meinen unten folgenden Tabellen ſich ergeben, auch unſere Anſtalt durchaus nicht ausnehme.


