Aufsatz 
Der ursprüngliche und echte Schluß der Odyssee Homers / von Professor Dr. Ludwig Adam
Entstehung
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die unſterblichen Götter und deren Geburt beſingen wollte¹). Der epiſche Cyklus, das mythologiſche Handbuch der Griechen, iſt aus den Werken der verſchiedenſten Epiker verſchiedener Jahrhunderte durch Verkürzung am Anfang und Ende hergeſtellt worden, wobei man ſelbſt Interpolationen nicht ſcheute, wie die bekannte Stelle der Cyprien von dem Sturme, der Paris nach Sidon verſchlug, beweiſt. Es ſollte nämlich Übereinſtimmung mit dem VI. Buch der Ilias geſchaffen werden?). Ja ein Vergleich der Ilias mit der tabula Iliaca lehrt, daß mit jenem Gedichte weſentliche ÄAnderungen vor⸗ genommen wurden, da manche Ereigniſſe wie die drär!, 48, die Theomachia in dieſer fehlen, und daß der Anfang des 16. Buches anders geſtaltet war, während ſonſt die Bilder ſich in den erſten 9 Büchern und auch ſpäter genau nach der Erzählung der Ilias richten, wenn auch im einzelnen Abweichungen vorkommen, weil der Künſtler nach Auszügen arbeitetes³). Und von Cynäthus wiſſen wir, daß er nicht nur den Hymnus auf Apollo gedichtet, ſondern auch viele Stellen in die homeriſchen Gedichte eingeſchoben hat¹). Die Centone, die beſonders in ſpäter Zeit beliebt waren, reichen weit in die Blütezeit der griechiſchen Literatur, ja bis in den Homer hinauf, während die Cykliker von den Alexandrinern wegen der ungeſcheuten Benutzung fremder Epen aufs härteſte getadelt wurden⁵). Wir finden dies Verfahren, fremdes Material zu benutzen, grade bei den Epikern der älteſten Zeit am meiſten verbreitet. Es ſind dieſe Rhapſoden auch Dichter geweſen, ſo daß Wolf im Unrecht iſt, wenn er in Abrede ſtellt, 6aeιeν atque rours, ipsa vi nominis eundem esse. Nach der Hypotheſis zum Schild des Herkules hat Steſichorus, der zwiſchen 640 und 540 v. Chr. lebte, dieſen dem Heſiod zu⸗ geſchrieben und bezeichnet alſo ihn als Rhapſoden, wie dies in dem bekannten Fragmente 227 auch von Homer behauptet wird:

I Aijdo röre ντον mνιό kudνν, ⁴do

ue‿derouen d, veαdood du, däꝓuνes doꝛνν

Doißon drᷣνα υοοον, réᷣνε 11)T0.

¹) Adam, über die Unſicherheit literariſchen Eigentums bei Griechen und Römern. S. 61 f. Düſſeldorf 1907.

, Vergl. Adam a. a. O. S. 152 f.

3) Vergl. Adam a. a. O. S. 179 f.

4) Schol. Pindar Nem. II 1. Eustath. 6, 40 ff.

) Vergl. Adam S. 69 f.