Aufsatz 
Zur Technik des geographischen Unterrichtes / von K. Gaquoin
Entstehung
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Schüler nur nach zeitraubenden Uebungen und Correcturen. Was aber von der Ausbreitung des Terrains im ganzen gilt, gilt auch von der Gliederung im beſonderen. Wie ſelten werden ſich in einer Klaſſe Schüler finden, welche die wichtigſten Maßverhältniſſe inſtinctiv auch nur annähernd richtig wiederzugeben vermögen! Will man alſo das Flächenbild der Karte oder einzelner Theile derſelben ſkizziert wiedergeben, ſo darf man ſowohl beim Abzeichnen der Karte als bei der Wiedergabe aus dem Gedächtniß das Gelingen der Zeichnung nicht dadurch aufs Spiel ſetzen, daß man ſie dem Zufall oder der glücklichen Hand über⸗ läßt, da es ſich um die Wiedergabe von Größen handelt, die aus Theilen beſtehen, welche unter einander und zum Ganzen in einem beſtimmten, meßbaren Verhältniſſe ſtehen: Man muß das Ganze in ſeine Theile zerlegen und nachbildend aus ſeinen Theilen wieder zuſammenſetzen, alſo immerhin conſtruieren. Hängt doch auch die Vollendung eines Werkes der bildenden Kunſt in der Ausführung ebenſowohl von der glücklichen Hand des Künſtlers ab, als es ein Reſultat des Studiums der Verhältniſſe des Maßes iſt!

Aber freilich ſoll das Reſultat dieſer Zerlegung und Nacheonſtruction nicht einzu künſtliches Syſtem von Hülfslinien und Stützpunkten ſein,welche zumeiſt an ſich gar keinen Werth für das Auf⸗ faſſungsvermögen von Seiten der Schüler haben. Die Conſtrüction ſoll nicht auf Stützpunkten fußen, welche der Sache fremd ſind, ſondern aus ſolchen, welche aus der vorliegenden Geſtaltung ſelbſt ſtammen. Thut ſie das aber, ſo belaſtet ſie das Gedächtniß nicht, ſondern entlaſtet und fördert es. Denn ſie ver⸗ einfacht demſelben die Arbeit, indem ſie in dem Detail des Bildes eine beſtimmte Ordnung conſtatiert, zwiſchen weſentlichen und unweſentlichen Richtungsänderungen unterſcheidet und unter Feſthaltung der weſentlichen für die Abſtände derſelben das Maßverhältniß feſtſtellt.

Das erſte Haupterforderniß zur Gewinnung einer brauchbaren Skizze iſt alſo Zerlegung und Zu⸗ ſammenſetzung, Conſtruction. Da es ſich nun um geographiſche Skizzen auf der Schule handelt, nicht aber um Herſtellung einer Karte, ſo darf die Conſtruction nur eine oberflächliche ſein, auf approximativen, ab⸗ gerundeten Werthen fußend, und ſie muß möglichſt einfach ſein, d. h. für's erſte aus einer Zerlegung der nachzuzeichnenden Geſtalten in nur wenige, in ihre hauptſächlichſten Theile erwachſen. Unter Feſthaltung von Anhaltspunkten, welche für die Nachzeichnung von Kartenbildern von Bedeutung ſind, gewinnt man ein regelmäßiges Schema, das man anfangs der Sicherheit halber in geraden Linien ausziehen, weiterhin aber auch mit bloßen Punkten andeuten kann. In ein ſolches Schema iſt alsdann das unregelmäßige Detail der Krümmungslinien des Kartenbildes einzutragen.

Dieſe Eintragung hat gleichfalls, da es ſich nicht um Herſtellung einer Karte, ſondern einer Skizze für Schulzwecke handelt, nicht das ganze Detail der Windungslinien des Kartenbildes wiederzugeben, ſon⸗ dern unter lediglicher Berückſichtigung der Hauptrichtungen das ſchwer zu bewältigende Krümmungsdetail zu vereinfachen und in eine für das Gedächtniß leicht faßliche, typiſch⸗ſchematiſche Form zu bringen. Die Darſtellung darf jedoch nicht in geraden Linien erfolgen, handelt es ſich doch um ein oberflächliches, in großen Zügen darzuſtellendes Bild, alſo um ein Bild, das ſich in ſeiner Einfachheit dem Kartenbild eines größeren Erdraumes in kleinerem Maßſtabe nähert, während die Erſetzung der Linienelemente der Karte durch gerade Linien nur unter Vorausſetzung einer Darſtellung im größten Maßſtab ein richtigeres Bild liefern würde! Und auf ein annähernd richtiges und ungezwungen natürliches Bild iſt es doch immerhin abgeſehen.

So hat zunächſt die hydrographiſche Skizze das Detailbild des Fluſſes unter lediglicher Berück⸗ ſichtigung der Hauptrichtungen in ein ſchematiſches zu verwandeln, welches eine gewiſſe Regelmäßigkeit zeigt. Dieſe Regelmäßigkeit iſt aber keine gekünſtelte. Es wird vielmehr auf Grund der Unterſcheidung zwiſchen weſentlichen und und unweſentlichen Richtungen und auf Grund von Anhaltspunkten, welche das zu ſkizzierende Bild ſelbſt bietet, der ſcheinbaren Regelloſigkeit eine Regel abgewonnen. So wird ein Ge⸗ ſammtbild des Fluſſes gewonnen, das ſich dem Gedächtniß leicht einprägt, und das fürs erſte ſehr roh ſein darf, ja roh ſein ſoll. Ich ſetze dabei voraus, daß eine oberflächliche Ueberſicht des Ganzen der Detail⸗ betrachtung vorauszugehen hat. Erſt bei weiterem Fortſchritt, wenn es ſich um die Betrachtung und Dar⸗