Aufsatz 
Zur Methode des französischen Unterrichts / von Kühn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

dazwischen drängt, dals im Französischen(wie auch im Englischen) erst das Regierende und dann das Regierte kommt, während im Deutschen eingeschoben wird(Beisp.: ein wegen seiner Geschicklichkeit berühmter Arzt). Ich meine, daſs auf diese Weise der ganze Ballast von Regeln über die Wortstellung überflüssig und durch rein sachliche Erläuterungen ersetzt wird, welche dem Lernenden einen wirklichen Einblick in den Bau der beiden Sprachen gewähren und das streng Logische der französischen Wortstellung gegenüber der mannigfaltigen deutschen in das rechte Licht setzen. Werden durch diese Behandlung die Schüler der Oberstufe dazu gebracht, dem inneren Bau der fremden Sprache bei der Lektüre gröfsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, so ist damit gewils mehr erreicht als mit allen Regeln über die Stellung. Sie werden dann die Klarheit der Sprache verstehen, die sich besonders in den mathematischen und physikalischen Lehrbüchern zeigt, ferner den ausgebildeten Sinn der Franzosen für regelmäfsige Schönheit der Form, wie er im Zeitalter Ludwigs XIV. nach verschiedenen Richtungen(in der Poesie, besonders im Drama, in den Parkanlagen) zum höchsten Ausdruck gekommen ist.

Ein anderer Gegenstand gibt bei Plötz zu vielen unnõtigen Regeln Anlafs. Ich meine die Veränderlichkeit des Participe passé. Wenn man in dem Satzenous sommes allés das Partizipium als Adjektiv auffaſst, so bedarf dieser Fall gar keiner weiteren Erklärung: die Veränderung tritt ebenso ein wie im Satze: les livres sont utiles. In dem Falle: La ville que g'ai bue ist das Partizipium auch Adjektiv, aber Apposition zu que, muſs daher mit demselben übereinstimmen. Bei den reflexiven Verben ist ebenfalls das Partizipium Apposition zum vorausgehenden Accusativ. Ist der Accusativ kein wirkliches Objekt, sondern eine Malſsangabe, so wird das Partizipium gewöhnlich nicht als Apposition betrachtet, pleibt also unverändert. Wenn auf das Partizipium ein Infinitiv folgt, wird die Sache gar nicht anders; es bedarf gar keiner besonderen Regel. Aber man muſs den Schülern den Weg zeigen, damit sie mit Sicherheit herausfinden, wozu der Accusativ Objekt ist: wenn derselbe zum Infinitiv Objekt ist, kann natürlich das Partizip nicht Apposition des Accusativs sein. Alle übrigen Einzelheiten erklären sich leicht aus dem allgemeinen Prinzip. Die Unveränderlichkeit von fait in der Bedeutunglassen hat Lücking in seiner franz. Schulgrammatik recht treffend mit dem FalleJe lui ai fait voir la lettre zusammengestellt und beides daraus erklärt, dals faire mit dem folgenden Verb zu einem Begriff verschmilzt. Behält man das eben gegebene Beispiel bei, so lälst sich leicht zeigen, daſs im Deutschen auch die Person im Dativ steht, sobald statt der zwei Verba(sehen lassen*) eins(zeigen*) gesetzt wird. Dies führt mich auf den sogenannten doppelten Accusativ. Von einem solchen kann im Französischen überhaupt keine Rede sein. Nach nommer, déclarer efc. stehen allerdings zwei Accusative, aber der Titel(roi, général und ähnliche Wörter) kann doch nur als Apposition zum wirklichen Objekt, keineswegs als zweites Objekt aufgefalst werden. Doppelter Accusativ liegt vor im lateinischen: docere aliguem aliquid, im deutschen: einen eine Sprache lehren.

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen über die Grammatik folgen noch einige Einzelheiten. Ob die Elementargrammatik von Plötz nicht in manchen Punkten zu viel oder wenigstens zu vielerlei bringt, kann ich hier nicht erörtern, da mir die Sache praktisch zu fremd ist. Jedenfalls sind die am Schluſs gegebenen unregelmäſsigen Zeitwörter überflüssig. Wenn man frühzeitig mit den Lesestücken beginnt, sind die meisten dieser Formen und manche andere schon längst da- gewesen und eingeübt worden, ehe in dem Übungsbuch die Reihe an sie kommt. In Lekt. 1 der Schulgrammatik wird erst gesagt, wann die Cédille, resp.« nach g gesetzt wird. Dann kommt der Grund dieser rein orthographischen Erscheinung. Einfacher gestaltet sich die Sache, wenn