Aufsatz 
Zur Methode des französischen Unterrichts / von Kühn
Entstehung
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Die Frage: Welches ist der beste Weg einen Unterrichtsgegenstand zu lehren? ist stets der Erwägung wert. Allerdings wird sie zu verschiedenen Zeiten und auch gleichzeitig von verschiedenen Männern oft recht verschieden beantwortet. Speziell im Französischen ist diese Verschiedenheit groſs. Die Zahl der Lehrbücher, von denen fast jedes einem fühlbaren Bedürfnis aphelfen will, ist ungeheuer. Ein Buch verspricht, den Lernenden in einem halben Jahre dahin zu bringen, daſs er die Sprache lesen, schreiben und sprechen kann. Ein anderes Buch macht die Sache brieflich ab. Der Eine hat eine leicht faſsliche Methode, der Andere befolgt einen mehr systematischen Gang. Im Grunde bewegen sich indels fast alle Bücher in dem alten Geleise, das von Plötz nach Seidenstückers Muster gelegt worden ist. Die Verschiedenheiten im Lehrgang sind allerdings recht groſs, aber das Prinzip ist dasselbe. Das ganze grammatische Pensum wird mit mehr oder weniger Geschick in eine bestimmte Anzahl Lektionen untergebracht; in diesen Lektionen wird es in Gestalt von Regeln vorgeführt, zu denen die nachfolgenden französischen und deutschen Sätze die Anwendung liefern. Es erinnert das lebhaft an einen recht grossen Kasten mit einer Unzahl von kleinen Fächern, deren jedes eine oder mehrere Regeln aufbewahrt. Von der lebendigen Sprache ist da äulserst selten die Rede. Die Regeln müssen gelernt und in den Sätzchen angewendet werden. Ob die betreffende Erscheinung selten oder häufig ist, das wird gewöhnlich nicht viel berücksichtigt. Kommt endlich nach zwei- bis dreijährigem Elementarkursus die zusammenhängende Lektüre, dann findet sich der Lernende fast nicht besser zurecht, als wenn er erst seit vier Wochen das Französische betriebe. Die gewöhnlichsten Wörter und Ausdrücke sind ihm fremd. Auch was er im Unterricht gehabt hat, erkennt er oft nicht wieder, so sehr verändert es sich im Zusammenhang der Rede oder Erzählung.

Die Unfruchtbarkeit dieser ganzen Methode ist recht augenfällig, wenn man ihre Anwendung auf die Aussprache näher betrachtet. Die Regeln über die Aussprache sind ausserordentlich zahlreich. Die verschiedenen Bücher gleichen sich darin ziemlich alle. Greifen wir ein Beispiel aus Plötz. In L. 48 der Elementargrammatik wird die Aussprache des! behandelt und dabei werden je vier Fälle aufgestellt, in welchem es resp.ſ6 lautet. Gleich darauf kommen zu den einzelnen Fällen die Beispiele. Es sind also in derselben Lektion nicht weniger als acht Einzelfälle enthalten. Wahrlich für den Kopf eines Quintaners, der daneben auch noch tüchtig Latein lernen soll, ist das zu viel. Und das Resultat? Der mittelmäſsige Schüler behält die acht Fälle solange, als in der Schule die Rede davon ist, der bessere vielleicht vier Wochen länger. Später werden die sämtlichen Fälle durcheinandergeworfen. So ist mir noch kürzlich in IIb und Ib das Wort amitié ziemlich gleichzeitig vorgekommen. In beiden Klassen wurde fehlerhaft amicié gelesen. Und das Wort steht in erwähnter L. 48 unter den Beispielen zu allererst. Khnliche Fälle von unnötiger Quälerei lielsen sich noch viele anführen.Ja, wird da

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