Uber den linguistischen Rationalismus mit,
Rücksicht auf die Zwecke des Gymnasial-Unterrichts.
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Wanrend sich die Sprachlkunde mit dem Verständniss einer Sprache und der Fertigkeit in derselben zum Ausdruck-der Gedanken begniigt, macht sich die Sprachwissenschaft zur Aufgabe, das Wesen und Gesetz der Sprache nach seinen Gründen zu begreifen, und erscheint theils als eine allgemeine, welche die Sprache als menschlich-organisches Product an und für sich erforscht, theils als eine besondere, die sich auf Erkenntniss dieser oder jener historisch wichtig gewordenen Sprache bezieht. Wollen wir das gesammte Material der allgemeinen Sprachwissenschaft überschauen, so kann es unter drei Hauptgebiete geordnet werden. Zunächst nämlich hat sie die körperlich-organischen Bedingungen aller Sprachbil- dung zu erörtern; dann die Deduction der Sprachgesetze aus dem Geiste zu versuchen; zu- letzt auf geschichtlich-pragmatischem Wege eine comparative Grammatik zu liefern, um die Sprachformen und Sprachfügungen, unter gehöriger Ber neksichtigung aller wirkenden Ursachen, des Klima, der Lebensart, Staatsverfassung, Völkersitte u. s. w. zu erklären. Natürlich wird die positive Sprachlehre in dem Grade tüchtiger sein, in welchem sie in- jener allge- meinen nach allen ihren Heziehungen steht.—: Es war der neueren Zeit vorbehalten, auf dem Felde der allgemeinen Sprachforschung, auf dem grossartigen Gebiete des lingnistischen Rationalismus Bedentendes zu leisten. Doch scheint es, als wenn der Gewinn, der aus jenen Forschungen für den Sprachunterricht auf den verschiedenen Lehranstalten gezogen werden kann, entweder nicht auf die rechte Art oder nicht in dem gehörigen Maasse gesucht werde. Allerdings hat auch die rationale Be- 4 handlung der besonderen Sprachlehre ihre eigenthümlichen Schwierigkeiten, und es herrscht in dieser Beziehung noch leeinasunoge⸗ eine solche Ubereinstimmung, dass das Verfahren — 1*


