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Ein schwerer Verlust traf die Anstalt dadurch, dass der letzte der Lehrer, welche derselben von ihrem ersten Entstehen angehört hatten, der 2. Oberlehrer Professor Dr. C. B. Greiss in der Nacht vom 12. auf 13. Juli 1873 durch den Tod in ein besseres Leben abgerufen wurde. Unermüdlicher wissenschaftlicher Eifer, regstes Pflichtgefühl waren die Grundzüge seines Wesens; selbst in den letzten Wochen seines Lebens, nach eben über- standener schwerer Krankheit, konnte er weder durch den Rath des Arztes, noch durch das Zureden seiner Pamilie und seiner Freunde zurückgehalten werden, seine Lehrthätigkeit wieder aufzunehmen, und so ist er denn auch in der Ausübung seines Berufes, nachdem er am Vormittag noch seinen Unterricht in gewohnter Weise ertheilt hatte, gestorben. Die Lehrer und Schüler des Realgymnasiums, sowie die Lehrer des humanistischen Gymnasiums begleiteten ihn in Gemeinschaft mit einer grossen Zahl seiner Mitbürger und namentlich der Mitglieder des Central-Gewerbevereins für Nassau, dem er bis zu seinem Tode als zweiter Vorsitzender angehört hatte, zu seiner letzten Ruhestätte, wo nach einem feierlichen Gesang der Schüler Herr Kirchenrath Dietz aus Biebrich, der langjährige Freund des Verstorbenen, noch einmal dessen Lebensbild in ergreifenden Worten vorführte. Ueber sein Leben entnehme ich einem früheren Programm Folgendes;„Carl Bernhard Greiss wurde am 10. Februar 1809 zu Frankfurt a. M. geboren. Nachdem er von 1819— 1828 das Gymnasium seiner Vaterstadt besucht hatte, studirte er anfangs zu Halle, dann zu Jena, wo er sich auch den Doctortitel erwarb. Im Herbst 1831 nach Frankfurt zurück- gekehrt, trat er als Lehrer an eine Privat-Erziehungsanstalt, wo er den gesammten mathe- matischen und physikalischen Unterricht ertheilte. Nachdem er dann noch von 1840 bis 1845 an verschiedenen Privatanstalten, sowie an der Musterschule und dem Gymnasium thätig gewesen war, wurde er im Mai 1845 als Oberlehrer an dié oberen Klassen der Real- schule zu Wiesbaden berufen und Anfang 1846 zum Oberlehrer an dem Realgymnasium ernannt.“ In dieser Stellung ist er bis zum 12. Juli 1870 mit einem solchen Eifer und Erfolg thätig gewesen, dass sein Andenken der Anstalt, die ihm soviel verdankt, stets theuer sein wird. Von seinen zahlreichen literarischen Leistungen sei hier erwähnt:„a german grammar. Francfort 1835. Second edition, Leipsic 1845.— Lehrbuch der Arithmetik und Geometrie, Frankfurt 1838.— Kurz gefasste englische Sprachlehre, Frankfurt 1843. Endlich sein Lehrbuch der Physik, 1853 bei Kreidel in Wiesbaden in 1., 1868 in 2. Auflage erschienen; die Neubearbeitung der dritten Auflage wurde durch seinen Tod unterbrochen.
Durch Beschluss Königlichen Provinzial-Schulcollegiums vom 25. August 1873, S. 2973, wurde der Cand. phil. Gustav Wendt dem Realgymnasium zur Abhaltung seines Probejahres von Michaelis 1873 ab überwiesen. Durch Beschluss Sr. Excellenz des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten vom 23. Januar 1874 wurde der 3. Oberlehrer Unverzagt in die durch den Tod des Professor Greiss erle- digte 2. Oberlehrerstelle befördert und gleichzeitig der bisherige 2. ordentliche Lehrer Ferdinand Schmidt zum 3. Oberlehrer ernannt.
Das Lehrercollegium besteht demnach am Schlusse des gegenwärtigen Schuljahres aus:
1) Director, E. Fürstenau. 2) 1. Oberlehrer, Professor J. Bellinger.


