Schulnachrichten.
Lehrercollegium.
Im Lehrercollegium des Realgymnasiums haben im abgelaufenen Schuljahre die fol- genden Veränderungen stattgefunden.
Mit dem Beginn des Schuljahres legte der bisherige Director, Professor August Ebenau sein Amt, das er 10 Jahre geführt hatte, nieder und trat in den Ruhestand. Seit 1843 Oberlehrer an der hiesigen Realschule, 1846 in gleicher Eigenschaft an das Real- gymnasium versetzt, hatte er nach der Erkrankung und dem pald darauf erfolgten Tode des früheren Directors, J. H. T. Müller die Directorialgeschäfte geführt und war am 13. October 1863 zum Director der Anstalt ernannt worden. Es würde dem bescheidenen Sinn des edlen Mannes nicht entsprechen, hier seine grossen Verdienste um die Anstalt ausein- ander zu setzen; in welchem Geiste er die Anstalt geleitet hat, davon gibt die Liebe und Anhänglichkeit aller seiner Schüler, die hohe Achtung und Freundschaft aller seiner Collegen das beredteste Zeugniss. Möge er stets unserer Anstalt seine Theilnahme bewahren, seinem Nachfolger aber möge es gelingen, in seinem Sinn zu wirken. Durch Rescript Sr. Excellenz des Herrn Ministers für geistliche, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten vom 22. Februar 1873 war dem Unterzeichneten, nachdem derselbe durch Allerhöchstes Rescript Sr. Majestät, des Kaisers vom 8. Februar 1873 zum Director ernannt worden war, die Leitung des Real- gymnasiums übertragen. Die dritte ordentliche Lehrerstelle, welche während des vorigen Schuljahres unbesetzt geblieben war, wurde durch Rescript des Königlichen Provinzial- Schulcollegs vom 1. April 1873 dem bisherigen Lehrer an der Wöhlerschule zu Frank- furt a. M. Dr. Neuendorf übertragen; derselbe wird uns jedoch schon mit Ablauf dieses Schuljahres wieder verlassen, um eine Stelle als Oberlehrer an der höheren Bürgerschule zu Düren zu übernehmen.*)
*) Der Sitte gemäss berichten die neu eingetretenen Lehrer über ihr Leben wie folgt:
Eduard Fürstenau, geb. am 20. Juni 1826 zu Rinteln in der Provinz Hessen-Nassau, besuchte anfangs das Gymnasium seiner Vaterstadt, dann das zu Hersfeld bis Ostern 1844, studirte darauf in Marburg und Berlin Mathematik und Naturwissenschaften. Das Probejahr trat er im Herbst 1847 in Hersfeld an, wurde jedoch schon im Frühjahr 1848 mit Versehung einer Lehrerstelle am Gymnasium zu Cassel beauftragt, war dann theils am Gymnasium in Fulda, thei's als Erzieher thätig, in den Jahren 1854 und 1855 an der Blochmann'schen Gymnasial-Erziehungsanstalt in Dresden, und wurde im Herbst 1855 am Gymnasium zu Marburg angestellt. In dieser Stellung verblieb er bis zu seiner Berufung in sein jetziges Amt. Im Druck ist von ihm erschienen: Darstellung der reellen Wurzeln algebraischer Gleichungen durch Deter- minanten der Coëfficienten, Marburg, Elwert, und: Neue Methode zur Darstellung und Berechnung der imaginären Wurzeln algebraischer Gleichungen, erschienen in den Schriften der naturforschenden Ge- sellschaft zu Marburg. 1
Carl Neuendorf von Wesel am Niederrhein erhielt seine Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Yaterstadt und dem Seminar zu Mörs. Er war zunächst an Volks- und Rectoratschulen thätig, legte das Examen pro schola ab und hielt sich dann einige Jahre in England und Frankreich auf. Nach seiner Rück- kehr studirte er in Marburg neuere Sprachen und Geschichte und fungirte nach bestandener Staatsprüfung an der höheren Bürgerschule zu Wiesbaden und der Wöhlerschule zu Frankfurt. Am 1. April v. J. wurde er an das hiesige Realgymnasium berufen.


