Uber
die Entartung der Jugend in der neuern Zeit.
Lan und haͤufig ertoͤnet die Klage uͤber die Entartung der Jugend in der neuern Zeit. Viele Leſer dieſer Blaͤtter haben wohl ſchon dieſelbe vernom⸗ men, vielleicht auch gar ſelber gefuͤhrt. Obgleich es nun unter dieſer Jugend allzeit viele Gute, ja Vortrefffiche gab, und ihr aus Unkunde einer allſeitigen Bildung, oder aus Nichtbeachtung der jedem Alter eigenen Freuden und Hand⸗ lungen auch Manches als Fehler angerechnet wird, was wirklich nicht feh— lerhaft iſt: ſo ſcheint mir doch nach reifem Bedenken die Klage nicht ganz ungegruͤndet.— Eine naͤhere Betrachtung derſelben daͤuchte mir daher wichtig und geeignet zum Gegenſtande eines Programms.—
Die Jugend empfaͤngt nun ihre Bildung theils im vaͤterlichen Hauſe, theils von Schule und Kirche, theils durch eigenes Leſen, theils aus dem Umgange mit Andern. Der Grund ihrer Entartung, wie ihrer Guͤte liegt daher in dieſen Stuͤcken, oder in der Erziehung im weitern Sinne. Ich will nun verſuchen: 1. Die Grundzuͤge einer allſeitigen Bildung zu ent⸗ werfen; 2. Die nothwendigen Bedingungen zu einem tugendhaften Leben auf⸗ zuſtellen; 3. Eine kurze Anſicht von der fruͤhern Erziehung zu geben; A. Die neuere Erziehung mit ihren Folgen darzuſtellen; und 5. mit der Betrachtung


