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Zunächſt entwarfen wir auf theoretiſchem Wege ein Bild des ſelbſtſtändigen Unterrichts, und ließen dieſe Theorie alsdann 6 Wochen hindurch die Probe der Praxis beſtehen. Wir lehrten, ohne irgend eine häusliche Arbeit zu verlangen, und machten dabei mannigfaltige Erfahrungen, welche zwar nicht alle zu unſerer Frage gehören, aber für die Wiſſenſchaft der Methodik nicht ohne Intereſſe ſein dürften. Wir fanden auf dieſe Weiſe den Satz beſtätigt, daß die Methode des Unterrichts weſentliche Modifikation erleiden müſſe, wenn man mit pädagogiſchem Erfolge die häus⸗ lichen Aufgaben vermindern wolle. Einige derſelben haben wir ſofort in Anwendung gebracht und beibehalten.
Dadurch wurde es thunlich, das Zeitmaß auf eine Stunde täglich zu reduziren, ohne die Klaſſenziele und das Ziel der Schule zu verändern Doch mußte die nunmehr knapp zugemeſſene Zeit auf's Sorgfältigſte vertheilt werden, damit keiner Wiſſenſchaft Unrecht geſchähe. Dazu ſtellten wir folgende Unterſuchungen an.
I. Wir fragten: Wieviel Zeit iſt erforderlich zum Lernen einer Aufgabe, z. B. 5 Zeilen franzöſiſcher Proſa?(Mittelſtufe, Oberſtufe)
Für die Klaſſen der Mittelſtufe wurde dasſelbe Stück(leichte Proſa)— für die Klaſſen der Oberſtufe ein anderes(ſchwerere Proſa) gewählt, vom Lehrer vorgeleſen und überſetzt, und ſobald ſich eine Schülerin meldete, überhört. Zwei Schülerinnen protokollirten das Ergebniß, und ſetzten zu der Minutenzahl a= ſchnell, fließend, ſicher; b= ſicher, c= unſicher, einige Fehler; d== lang⸗ ſam, ſtockend, mühſam, mit mehrfachen Fehlern.
Schülerinnen, welche raſch lernten, durften weiter lernen bis zu 10 Zeilen.
Daraus ergab ſich das umſtéhende Reſultat.


