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Die Methoden des Alnterrichts.
E 19 5 Daß die Art des Unterrichtens: die Methode, den Weg zur Wiſſenſchaft abkürzen oder
verlangern, eben oder auch rauh machen kann, iſt eine Wahrheit, welche den denkenden Lehrer unabläſſig antreibt, nach der beſten Methode zu greifen oder doch zu forſchen. Noch gewaltiger aber
in die methodiſche Bahn hinein treibt das Gewicht des täglich wachſenden Lehrſtoffs. Früher konnte
der Lehrer ſorgloſer unterrichten, weil die Zeit genügend lang, die Kunſt genügend kurz und das Ziel allenthalben unbeſtimmt war; aber es ſtellte ſich anders, als in demſelben Zeitraume eine doppelte, ja dreifache und vierfache Maſſe des Stoffes gelehrt werden ſollte. Man ſah ſich ge⸗ zuungen, neue Wege, namentlich die kürzeſten, aufzuſuchen, und bald redete man von ſynthetiſcher, analytiſcher, theoretiſcher, praktiſcher; heuriſtiſcher, kalkulirender, genetiſcher; baſedowſcher, jacototſcher, hamiltonſcher, rudthardtſcher, ahnſcher Methode u. ſ. w., ohne jedoch mehr als vorübergehende Be⸗ friedigung zu finden. In ihnen Allen lag Gutes neben mannigfachem Irrthume, und es iſt alſo von hoher Wichtigkeit, in jeder Schule die Methode des Unterrichts ſorgfältig zu beſtimmen. Auch den betheiligten Eltern kann eine nähere Bekanntſchaft mit dieſem ſchwierigen Gegenſtande nur willkommen erſcheinen. Am Populäͤrſten tritt der Unterſchied aller Methoden unter dem Geſichtspunkte des Theo— etiſchen und Praktiſchen zu Tage. Der Unterricht früherer Zeiten war durchaus einfach wie ſein Gegenſtand. Dann aber trat 1 erwähnte Mehranforderung hervor, und erzeugte eine didaktiſche Noth, welche, wie jede andere, Lderih machte. Man ſuchte zu abſtrahiren, zuſammenzudrängen, die gewonnene Einſicht der
Khrer, in ſcharfe und knappe Regeln gefaßt, der jungen Generation zu überliefern, und ſchlug das „Viſſen ſchließlich höher an als das Können. Dieſe theoretiſche Methode, aus richtigem JFrincipe hervorgegangen, leiſtete Vortreffliches, trug aber, auf dem Gipfel angelangt, zu ſehr das
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. See.. 4. 1 um entgegengeſetzten Extreme eilte. Sie führte den Schüler an den Strom der Wiſſenſchaft, ließ
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Gepräge der Einſeitigkeit, um nicht Bedenken, Tadel und eine Reaktion(Kampf gegen Grammatis⸗
5 mus, Formalismus, dürre Logik ꝛc.) hervorzurufen, eine Reaktion, welche die vernachläſſigte
Seite des Unterrichts für die einzige hielt, und— frohlockend, begeiſtert, nur gerade ausſchauend,
ihn ſelbſt ſchöpfen, ſelbſt prüfen, nahm ihm alle logiſchen und ſonſtigen Handfeſſeln ab, ſtellte das
Können über das Wiſſen, und gebrauchte den Satz:„Wir folgen dem Fingerzeige des Lebens,“
als einen dem Publikum in die Augen leuchtenden Schild, vor welchem aller gegneriſcher Tadel
verſteinern ſollte(Jacotot, Hamilton, Ahn u. ſ. w). Lernt doch, ſagten dieſe praktiſchen 1


