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iſt es nun ganz gleichgültig, was weiter geſchah, daß man die Notenſchrift aus der Schule wirklich verbannte, daß man eine Zifferſchrift an ihre Stelle ſetzte und daß man dieſe letztere in der Schule einführte. Dieſe Mißgriffe, welche ſämmtlich aus einer einzigen Fehlidee hervorgingen, ſprechen nur mit um ſo größerer Beweiskraft für die Richtigkeit der Thatſache, daß die Treffunterrichts⸗ methoden wirklich nichts taugten, daß ſie in einem ganz unnatürlichen Verhältniſſe zur Noten⸗ ſchrift ſtanden; ſonſt wären Schrift und Lehrmethode gegeneinander über nicht als zwei ſich ſo völlig fremde Dinge erſchienen, zwiſchen denen kein leitender Faden, keine nutzbare Beziehung mehr zu entdecken war, und die zu weiter nichts dienten, als daß man ſie alle beide über Bord warf.
Worin lag der Grund nun, daß die Treffunterrichtsmethoden nach Noten in der Schule ſich ſo unzureichend und untauglich erwieſen?
Er lag in dem feindlichen Conflicte, in welchem Form und Inhalt oder(anders ausgedrückt) Lehrweiſe und Lehrſtoff ſich befand.
Fragen wir, wie das ſo gekommen war, ſo wird uns auch hier die Geſchichte, die Lehr⸗ meiſterin aller Dinge, die nöthigen Aufſchlüſſe geben.
Der älteſte Stoff, welchen die Treffunterrichtsmethode kannte, beſtand in lauter gleichmäßig geſtalteten Noten, deren einfache Stufenbewegungen nur hin und wieder mit kleinern Intervallen⸗ ſprüngen abwechſelten. Es war dies die alte Choralmuſik. Faſt gleichzeitig traten neben derſelben die Anfänge der ſogenannten Menſural⸗- oder Figuralmuſik auf. Da derſelben jede rhythmiſche Längenbezeichnung der Noten noch fehlte, weil ſie ſich aus den langen und kurzen(longa, brevis) Silben von ſelbſt verſtand, ſo beſchränkte ſich der Lehrſtoff nach dieſer einfachſten Schreibweiſe auf nur äußerſt wenige und leichtfaßliche Objecte. Aus dem Verſtändniſſe dieſer leitete die Lehr⸗ weiſe mit Leichtigkeit und faſt von ſelber in ihre Reproduction über.
Dieſer harmloſe Zuſtand der Dinge dauerte jedoch nicht lange. Gar bald entſtand das Be⸗ dürfniß von Noten verſchiedener Geltung und man ſchritt zum Gebrauche von vier verſchiedenen Längen(maxima oder dupplex longa, longa, brevis und semibrevis), ſowie von Ligaturen, deren Anwendung Franco von Cöln“) bekanntlich durch ſeine acht Regeln fixirte. Dieſe Vermeh⸗ rung der Notenlängen verdoppelte nicht nur den rhythmiſchen Lehrſtoff, ſondern löſte ihn zugleich aus ſeiner früheren Implication in der Sprache los und machte ihn von derſelben unabhängig. Durch dieſe Umgeſtaltung der Schrift wurde das Verſtändniß derſelben ungemein erſchwert. Denn die Unabhängigkeit des Rhythmus hatte eine ſeparate Schriftbezeichnung zur nothwendigen Folge. Dieſe Schriftbezeichnung mußte von jetzt ab neben den Bewegungen der Notenköpfe zunächſt als ein zweiter, ſodann beide genannte Stücke in ihrer Zuſammengehörigkeit als ein dritter Gegen— ſtand nochmals gelehrt werden, und damit war für das Gelingen ihrer eigentlichen Reproduction oder Wiedergabe noch ſo viel als Nichts geſchehen.
Schon jetzt hätte der vermehrte Lehrſtoff das Geheimniß entſchleiern müſſen, daß die Methoden ſtrenggenommen ſich nicht auf dem richtigen Wege befanden. Sie hatten bloß Tonzeichen gelehrt, d. h. Kenntniſſe angeeignet, aber keine Geſchicklichkeiten im Treffen ſelbſt; ſie hatten das Repro⸗ duciren, die eigentliche Wiedergabe der Noten, der Zufälligkeit des Gelingens nicht entreißen können,
*) S. Fürſtabt Gerbert: Scriptores ecclesiastici.


