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Zu militärischen UÜbungen waren die Kollegen Ritsert und Dr. Fischer auf je 8, Kollege Dr. Baur auf 6 Wochen einberufen. Auch in diesen Fällen traten die übrigen Mitglieder des Kollegiums bereitwilligst in die Lücken ein.
3. Am 25. November v. J. wurde dem Unterzeichneten das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen gnädigst verliehen.
4. Das mit dem Neuen Gymnasium verbundene pädagogische Seminar zählte 15 Mit- glieder(s. o.). Die Lehramtsaccessisten Balser II. und Fendt mussten wegen angegriffener Gesundheit längeren Urlaub nehmen, Lehramtsaccessist Vogt war vom 15. Juni v. J. an 8 Wochen lang vertretungsweise an der höheren Bürgerschule zu Rimbach i. O. verwendet.
5. Am 23. August v. J. bestanden 3 Oberprimaner(s. o.) die unter dem Vorsitz des Unterzeichneten abgehaltene Reifeprüfung.
Gleichzeitig bestanden die ehemaligen Realgymnasialabiturienten Luduig Freitag aus Heuchelheim und Otto Langrock aus Darmstadt die Ergänzungsreifeprüfung und die Studierenden der Theologie Heinrich Becker aus Reichenbach i. O. und Otto Schaad aus Kaulstoss die Nach- prüfung im Hebräischen.
Die am 8. und 9. März d. J. abgehaltene Reifeprüfung leitete Herr Geh. Oberschulrat Soldan. Auch diesmal wurde sämtlichen Prüflingen(s. o.) die Reife für das Universitäts- studium zuerkannt.
6. Der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium war durchweg günstig, abgesehen von der schon erwähnten Erkrankung zweier Seminarmitglieder. Unter den Schülern traten im Winter einige leicht und rasch verlaufende Fälle von Masern auf.
7. Das Sedanfest am 2. September 1892 begingen wir wie üblich in Gemeinschaft mit sämtlichen anderen Schulen der Stadt in Form einer Jugendfeier auf dem Exercierplatz.
Den Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs feierten wir am 25. November, vor- mittags 9 Uhr beginnend, durch einen Aktus, der in Liedern und Vorträgen„Bilder aus der hessischen Sage und Geschichte“ vorführte. Eigene Arbeiten trugen die Primaner Ernst Brill (Wie entstand das jetzige Grossherzogtum Hessen?) und Ernst von Strzemieceny(Die Teilnahme der hessischen Division an dem Feldzuge von 1870 und 71) vor, die Festrede hielt der Gr. Gymnasiallehrer Dr. Neæhmeyer, das Schlusswort sprach der Unterzeichnete. Die öffentliche Vorfeier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers am 26. Januar d. J., nachmittags 5 Uhr, hatte folgendes Programm:
1. Chor:„Der Herr ist mein Hirt“ von B. Klein.
2.„Der Schild des Achilleus“, Vortrag des Oberprimaners Hermann Schneider.
3. Chor:„Wacht auf!“ von L. van Beethoven.
4.„Sokrates vor seinen Richtern“(nach Platons Apologie), Vortrag des Oberprimaners
Georg Becker.
5. Chor:„Trennt uns Glauben, Streben, Meinen“ von W. A. Mozart.
6.„Mozart“, Gedicht von Mosenthal, für Deklamation mit Begleitung des Pianoforte gesetzt von Adolf Kugler, vorgetragen von den Oberprimanern Karl Hemmerde und Ferdinand Becker.
Chor:„Treue Liebe bis zum Grabe“ von K. A. Mangold.
.„Lessings Philotas“, Vortrag des Unterprimaners Richard Gaul.
.„Trio“ für Klavier, Violine und Cello(Es-dur) von L. van Beethoven(1. Allegro, 2. Adagio), vorgetragen von den Primanern Ferdinand Becker, Harald Hofmann und August Draudt.
10. Chor:„Durch tiefe Nacht ein Brausen zieht“ von F. Mendelssohn.
11. Festrede des Gr. Gymnasiallehrers Dr. Hensell.
12. Allgemeiner Gesang:„Heil Dir im Siegerkranz“.
Beide Festlichkeiten erfreuten sich überaus zahlreichen Besuches.


