Aufsatz 
Die Pflege der alten Kunst auf dem Gymnasium
Entstehung
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gehen können, der hat nach meiner Meinung den pädagogischen Zweck der Lektüre vollauf erreicht.!

Schliesslich noch ein Wort über die Vorbildung der Lehrer, denen der Kunstunterricht anvertraut werden soll. Man begegnet hier und dort dem Bedenken, dass die Vorbildung der Philologen zu einer solchen Unterweisung nicht ausreiche. Lange will sie dem Zeichenlehrer, als dem einzigen künstlerisch gebildeten, übertragen wissen. Das ist die notwendige Konsequenz seiner übertriebenen Forderungen, die aus dem Gymnasium eine Kunstschule machen möchten. Andere wollen eine besondere Prüfung der altphilologischen Kandidaten des höheren Lehramtes in Kunstgeschichte und Archaeologie. Allein dies würde zu einer kaum noch erträglichen Mehrbelastung führen ohne sonderlichen Nutzen für den vorliegenden rein praktischen Zweck. Ich bin der Ansicht, dass jeder Philologe, der Interesse für die Kunst besitzt, von der Hoch- schule auch ohne Prüfung soviel Kenntnisse mitbringt, dass er bei fortgesetztem Studium in dieser Richtung innerhalb der bescheidenen Grenzen, in denen die Kunstlehre auf der Schule sich bewegen soll, erfolgreich wird unterrichten können. Viel wichtiger ist es, dass den Lehrern, die ihre besondere Liebe zur Kunst bethätigen, unter Verleihung von Reisestipendien Gelegenheit gegeben wird, die Stätten zu besuchen und unter sachkundiger Führung kennen zu lernen, wo einst jene Kunstblüte zur Entfaltung gekommen ist, oder wo spätere Zeiten pietätvoll die Trümmer der Blütezeit gesammelt haben. Dies kommt nicht nur der Kunst- lehre speziell zu gut, sondern der reiche Schatz von gewonnenen Eindrücken und Erinnerungen wird bei den Mühen des Tages und der unvermeidlichen Kleinarbeit des pädagogischen Berufs wie auf die ganze Persönlichkeit des Lehrers so auf seinen gesamten Unterricht erfrischend und belebend einwirken.

¹ Freilich würde es völlig verfehlt SSein. solche geistige Gymnastik an einer Schrift zu treiben, die, wie K. Lange.(Die künstlerische Erziehung etc. S. 82 fl.) meint, zu völlig verwerflichen Resultaten kommt. Wir können zugeben, dass l. essing gestützt auf den damals noch kleinen Kreis bekannter antiker Bildwerke der Plastik und Malerei deren Grenzen, namentlich was die Darstellung des Transitorischen und Allegorischen betrifft, zu enge gesteckt hat; an demGrundsatz, dass das Schöne vor dem Charakteristischen Ziel und Endzweck der Kunst bilde, halten wir mit ihm fest; und wenn in dieser Beziehung die moderne Kunstanschauung einen Schritt nach den verachteten Grenzsteinen, die Lessing gesetzt hat, zurückwagte, so würde sie vor mancher Verirrung bewahrt. Die vortrefflichen Darlegungen endlich über den fruchtbaren Augenblick, die Lange mit der Bemerkung von demübertriebenen Wertlegen Lessings auf den Inhalt des Kunstwerks streift, sind für alle Zeiten mass- gebend. Daher stimme ich nicht in den Ruf ein, den Lange mit anderen erschallen lüsst: Fort mit dem Laokoon! sondern ich halte dessen Lektüre abgeschen von ihrem Nutzen für die logische Schulung auch zur Bildung des nesthetischen Urteils für unersetzlich.