Aufsatz 
Die Pflege der alten Kunst auf dem Gymnasium
Entstehung
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in Pergamon wieder hervor. Die Stätte, wo der Altar stand, ist aus Untersekunda bekannt. (Wiederholung der Topographie von Pergamon). Veranlassung und Zeit der Errichtung des Altars wird angegeben. Von den einzelnen Gruppen des Frieses genügt es die Athene- und die Zeusgruppe zu besprechen.(Hor. carm. II, 19, III, 1, III, 4, Bender, Bilderm. H. II u. H. VII; vgl. den Gigantenfries am Altar zu P. von Twendelenburg und Tondeur, Wasmuth, Berlin). Zur richtigen Beurteilung der pergamenischen Kunst ist es nötig, die Gruppe des Laokoon(Bender, Bilderm. I; Helbig, Führer, No. 153; Kriederichs-Wolters, No. 1422); zu ver- gleichen, ausserdem die schlafende Medusa Ludovisi(Helbig, Führer, No. 859; Friederichs- Molters, No. 1419; Baumeister, Denkm. II, S. 911).

6) Die Lieder I, 18, IV, 2 führen uns einem Stoff zu, den die antike Kunst sich oft zum Vorwurf plastischer Gestaltung erwählt hat: den Kampf der Kentauren und Lapithen. Wie die Alten die Kentauren gebildet haben, zeigt die schöne Statue aus dem kapitolinischen Museum,(Bender, Bilderm. IX, Helbig, Führer, No. 508; Baumeister, Denkmäler etc. I, S. 127; Friederichs-Wolters, No. 1421); die Darstellung hat Verwandtschaft sowohl mit dem Giganten- fries von Pergamon als auch mit der Gruppe des Laokoon. Den Kampf bei der Hochzeit des Peirithoos stellte der Schmuck des Westgiebels am Zeustempel im Olympia dar.(Rekonstruktion v. Treu s. Menge. Bilderatlas T. 18; Friederichs-Wolters, Bausteine No. 260 270, S. 128).

7) Streift auch Horaz das Schicksal der Niobe nur(C. IV, 6, 1, vgl. übrigens Hom. Ilias XXIV, 602, 606), so sollte doch diese Gelegenheit nicht versäumt werden, von der auf Praxiteles zurückzuführenden Niobidengruppe mindestens die Statue der Mutter mit der zu ihr flüchtenden Tochter und die sog. Niobide Chiaramonti zu betrachten.(Bender, Bilderm. IV; Eriederichs-MWolters, Bausteine, 1247 1259; 1261; Helbig, Führer 74).

In wie weit die römisch-hellenistische Porträtplastik schon bei der Lektüre des Horaz berücksichtigt werden kann, hängt von der verfügbaren Zeit ab; trefflich verbindet sie sich was römische Porträts betrifft, mit den Charakteristiken bei Tacitus.

Die nach historischen Gesichtspunkten am Schlusse des Schuljahres zu bewirkende Zusammenfassung der gewonnenen Einzelanschauungen wird, da aus jeder Kunstepoche der griechischen Plastik stammende Werke behandelt worden sind, fast nur auf bereits Be- kanntes zurückverweisen können.

Mein Vorschlag verlegt den Schwerpunkt der Kunstunterweisung nach der Unterprima und bringt sie in diesem Jahre zum Abschluss. Der Unterricht in Oberprima wird dann in der Lage sein, den Besitzstand der Schüler zu erhalten oder ihn in freierer Weise zu erweitern, je nachdem sich die Gelegenheit bietet. Insbesondere kann der Lehrer, welcher die Lektüre der griechischen Tragiker leitet, noch manch'teures Bild, das er in der beschränkten Anzahl der in Unterprima aufgezählten vermisst hat, hier nachtragen; die eingehende Betrachtung des griechischen Theaters ergibt sich von selbst. Auch der Lateinlehrer wird sich, wie schon oben bemerkt, die Gelegenheit, die Charakteristiken bei Tacitus durch Porträtbilder und-büsten zu beleuchten, nicht entgehen lassen. Ich verweise auf

1) Caesar,(Bender, Bilderm. Heft VI; Baumeister, Denkmäler S. 370);

2) Augustus, statua thoracata,(Bender, Bilderm. Heft V; Friederichs-Wolters, No. 1640, Helbig, Führer, No. 5).

3) der jugendliche Octavian.(Bender, Bilderm. H. V; Helbig, Führer No. 221; Bau- meister, Denkmäler, I, S. 227)

4) Tiberius, sitzende Statue im Mus. Chiaramonti(Helbig, Führer, Nr. 95: Baumeister, Denkmäler I, S. 230) und andere.

Mit Absicht ist in der Unterprima der deutsche Unterricht nicht zur Kunstunterweisung herangezogen werden, trotzdem Lessings Laokoon nach dem Lehrplan in dieser Klasse gelesen wird. Denn es bleibt dem Lehrer wenig Zeit, an die Interpretation dieser Schrift eine ins Breite gehende Kunstlehre zu knüpfen; die von Lessing an nur wenigen Werken erläuterten kunstaesthetischen Beobachtungen wirken vielmehr allgemein befruchtend auf die mit der alt- sprachlichen Lektüre verbundene Kunstlehre. Auch scheint mir ein Hauptgesichtspunkt für die Behandlung des Laokoon der zu sein, die Schüler anzuleiten, wie man methodisch einen solchen wissenschaftlichen Stoff anfasst; wer daher in ernster Gedankenarbeit die Pfade von Lessings Beweisführung mit den Schülern so verfolgt hat, dass sie ihm selbständig nach-