Die Pflege der alten Kunst auf dem Gymnasium.
Von
Dr. G. Forbach.
Von Jahr zu Jahr tritt die Forderung mit grösserer Entschiedenheit auf, dass der Be- lehrung über die antike Kunst ein breiterer Raum im Gymnasium gegönnt werde. Es ist auffallend, dass man erst in den letzten Jahrzehnten dieser anscheinend so selbstverständlichen und dabei dankbaren Aufgabe näher getreten ist; denn die Einführung in den Geist des klassischen Altertums, in welcher das humanistische Gymnasium das Ziel der ihm eignen Jugendbildung erblickt, kann doch ohne Rücksichtnahme auf die Kunst der Alten schwerlich völlig erreicht werden(vgl. den trefflichen Aufsatz in den Grenzboten, 1892, IV.: Die antike Kunst und die Schule). Wie sah es nun mit der Pflege des Kunstsinnes auf den meisten deutschen Gymnasien seither aus? Die zahlreichen Aufsätze und Abhandlungen, die über diesen Gegenstand in letzterer Zeit geschrieben worden sind, betonen einmütig, dass die bisher auf unseren Gymnasien erreichte Kenntnis des antiken Lebens und der antiken Kunst das erreich- bare und notwendige Mass nicht erfülle ¹.
Zwar haben an einzelnen Anstalten, begünstigt durch lokale Verhältnisse, kunst- begeisterte Lehrer es versucht, in dieser oder jener Art einen„Kunstunterricht“, wie man diese Belehrung mehr kurz als bezeichnend genannt hat, zu erteilen,(R. Menge in Eisenach, p. Guericke in Memel, Knocke in Bernburg); allein, wenn nicht gestützt auf den amtlichen Lehrplan eine bestimmte Forderung gestellt und in den Speziallehrplänen dieser Forderung im Einzelnen Ausdruck gegeben wird, so bleibt trotz der sich immer mehr häufenden Litteratur über diesen Gegenstand die bessere Pflege der Kunst auf dem Gymnasium ein frommer Wunsch. Es ist einleuchtend, wodurch gerade in den letzten Jahren diese Flut von Abhandlungen über die Kunst im Gymnasium in Zeitschriften fachlichen und belletristischen Inhalts hervorgerufen
1 Vgl. Guhrauer, Einführung unsrer Schüler in die bildende Kunst eto, ein Vortrag, abgedruckt in der Zeitschrift für Gymnasialwesen 1882. Derselbe, Bemerkungen zum Kunstunterricht auf dem Gymnasium, Pro- gramm des Gymnasiums zu Wittenberg, 1891; F. Müller, Bemerkungen über den sogenannten Kunstunterricht auf Gymnasien, Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik 1883, S. 416 ff.; R. Menge, die Kunst im Gym- nasium etc. Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik 1878, S. 178 ff.; 5. Direktorenkonferenz der Provinz Schleswig-Holstein, 1892. Die Pflege des Kunstsinnes etc.; 13. Direktorenkonferenz der Provinz Ost- und West- preussen, 1892: Wie ist der Unterricht in den alten Sprachen einzurichten, damit die Schüler ete.; v. Guericke, Die Kunstgeschichte im Gymnasium, Programm des Gymnasiums zu Memel 1888; Fischer, Bemerkungen über die Berücksichtigung der dndanden Kunst im Gymnasialunterricht, 2 Progr. des Gymnasiums zu Moers von 1881 und 1892; von älteren Schriften führe ich, da dort die übrige Litteratur früherer Jahre erschöpfend angegeben ist, nur an das Referat von Küúhne in der 9. Direktorenkonferenz der Provinz Ost- und Westpreussen 1880: In wie weit ist die nesthetische Bildung auf den Gymnasien zu berücksichtigen?


