66 Buhler, jedoch ohne deſſen innere Unruhe: alſo ſehe ich nicht ein, ſagt Boyle, warum ein frommer und fleißiger Forſcher der Natur nicht auch eine völlige Wiſſenſchaft derſelben erlangen kann, obgleich er nicht dieſes Studium allem anderen vorzieht, noch mit unruhiger Gier ſich darauf wirft, oder gar ein Götzen— bild daraus macht.
Im folgenden Jahre(75) veröffentlichte er anonym eine Abhandlung über die Vereinbarkeit von Religion und Vernunft(W. III., 509 ff.); er zeigt darin im 1. Teile, daß kein Chriſt ſeine Vernunft bei Seite zu ſetzen, oder zu verleugnen hat, und im 2. Teile, daß ihm dies auch nirgends in der heil. Schrift geboten iſt. Im Anſchluß an dieſe Ab⸗ handlung veröffentlichte er die über die Möglichkeit der Auferſtehung(III., 537 ff.). Hier weiſt er nach, daß die Schwierigkeiten, welche gegen die Möglichkeit der Aufer— ſtehung geltend gemacht werden, nicht ſo unüberwindlich ſind als ſie gemacht, oder zu ſein eingeräumt werden. Daraus, meint Boyle in der Vorrede, könnten die Chriſten ſehen, daß die ſog. Neue Wiſſenſchaft ganz dazu angethan ſei, neue Beweiſe für ihren uralten Glauben zu liefern. Boyle folgert im Weſentlichen ſo:
1. da der menſchliche Körper nicht ſo eingezwängt iſt zu einer beſtimmten Maſſe, ſondern dieſelbe Seele, die vereint iſt mit einem Teil entſprechend organiſierter Materie, denſelben Menſchen ausmachen ſoll, trotz der allergrößten Unterſchiede von Größe, Umfang ꝛc., die dabei zu verſchiedenen Zeiten ob⸗ walten, zwiſchen den Teilen der Materie, mit der die Seele vereint iſt;
2. da ein anſehnlicher Teil des menſchlichen Körpers aus Knochen beſteht, welche Körper von einer ſehr beſtimmten Natur und unfähig ſind, durch einen Prozeß gänzlich zerſtört zu werden;
3. da von den weniger dauerhaften— und beſonders den flüſſigen— Teilen des menſchlichen Körpers bei weitem


