1. Kapitel. Herkunft und Kinoͤheit.
Am Abend vor dem Johannnistag des Jahres 1588 ſchiffte ſich im Hafen von Dublin ein junger engliſcher Edel⸗ mann aus. Die grüne Inſel war ſchon ſeit lange das klaſſiſche Land des Aufruhrs und des Glückswechſels. Geld und Gut folgten dem Hin- und Her⸗Rollen der im Kampfe der Raſſen und Konfeſſionen, der ſozialen und politiſchen Parteien ge⸗ worfenen eiſernen Würfel. Im Mai war die Armada aus— gelaufen; in dem Kampfe, den der ſpaniſche Katholizismus der proteſtantiſchen Welt angeſagt hatte, ſollte die unglückliche Inſel wieder eine Rolle ſpielen. Der junge Mann, der an jenem Sommerabend die iriſche Hauptſtadt betrat, wollte dort ſein Glück ſchmieden, wie vor ihm ſo viele. Sein Name war Richard Boyle oder Boyl, wie wohl der Ausſprache entſprechend auch geſchrieben wurde. Er ſtammte aus einem alten Ge— ſchlechte, das vor Jahrhunderten ſich Biuvile nannte und ſchon im Reichsgrundbuch Wilhelm des Eroberers eine Stelle ein⸗ nahm.*) Seine Eltern waren ſchlichte Landedelleute in Kent. Der kaum Zehnjährige hatte ſeinen Vater 1576 verloren; die Mutter war unverheiratet geblieben und hatte alle ihre Sorge der Erziehung ihrer Söhne gewidmet, von denen Richard der zweite war. Nachdem er die erſte Schulbildung in ſeiner
*) Doom'sdaybook Art. 28: Terra Humfridi de Biuvile in Radelau Hund. Humfridus de Biuvile tenet de Rege Pichelii Anshil tennit.


