Aufsatz 
Ist eine Philosophie der Geschichte wissenschaftlich erforderlich bezw. möglich? / von Karl Fischer
Entstehung
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ſichin düſterer Enge. ¹)Bis auf Boſſuet, bemerkt Rocholl beſſer wäre Baco genannt beherrſcht dieſe enge Auffaſſung die chriſtliche Denkweiſe für Betrachtung der Geſchichte mehr oder weniger. Und im Grunde dieſer Denkweiſe liegt ein Zug, der erſt ſpäter offen hervortritt. Er geht darauf hin, nur die Zukunft des Einzelnen, nicht die der Staaten, und ſchließlich nicht die der Geſchichte ins Auge zu faſſen. Wie früher bemerkt, ſtand es mit der Geſchichtſchreibung entſprechend übel. Erſt nach 1600 begannen ſich die chriſtlichen Geſchichtſchreiber von dem ungeſchichtlichen Zwang der 4 Weltmonarchien zu befreien. Mit Recht bemerkt deshalb Guizot:Der theologiſche Geiſt iſt das Blut in den Adern der europäiſchen Welt bis auf Baco und Descaartes. Dieſen Geiſt ſchlug erſt der Humanismus allmählich aus dem Felde, doch ſteckte dieſer wieder zu feſt in der antiken Anſchauung vom Kreislauf der Geſchichte. Während ſich bei Baco geſchichts⸗ philoſophiſche Anfänge finden, iſt es Hobbes, welcher zuerſt(1642) die Naturgeſetze auf die Betrachtung der geſchichtlichen Entwicklung angewandt hat. Hier ſieht man zuerſt das Unweſen, wie Geſetze der anorganiſchen Welt auf die organiſche der Menſchen angewandt werden, welche nach ihm ebenfalls auf phyſikaliſch⸗-mechaniſchem Wege ſich ſchiebt, verſchiebt und regelt. In entſchiedenem Gegenſatz gegen ihn behauptet Vico in ſeinem BuchGrundzüge einer neuen Wiſſenſchaft über die Natur der Nationen 1725, daß die Vor⸗ ſehung die Geſchichte leite, jene iſt die Baumeiſterin, die Menſchen ſind die Werkführer und Werkleute. Gott giebt die Richtung des Ganzen, im Einzelnen lönnen die Menſchen ſich frei entſchließen. Er weiſt dann im Einzelnen nach, wiein der Geſchichte Leiden⸗ ſchaften zu Tugenden erhoben werden. Er ſtellt die Aufgabe: Der MenſchenWeſen muß erkannt werden, ſoll die Geſchichte als ihre Ent⸗ wicklung, oder ſoll ihre Entwicklung als die Geſchichte erkannt werden.

Im Anſchluß an Hobbes weiſt Ferguſon 1767 auf den Ein⸗ fluß der klimatiſchen ꝛc. Verhältniſſe auf den Menſchen hin, dieſe

¹) Vergl. Rocholl, Die Philoſophie der Geſchichte. Göttingen 1878. S. 29. So wertvoll dieſes Buch iſt, ſo kann ich doch nicht überall des Verf. Einteilung, ſeiner Auswahl, am wenigſten aber ſeinen Anſchauungen über den Begriff und Umfang der Ph. d. G. zuſtimmen.