15
für 1 Jahr, 8 fl. aus einem fürſtlichen Fonds. Die letzte Nachricht aus dieſem Jahrhundert fällt in das Jahr 1797. Weil das Examen im Auguſt ſo gut ausgefallen war, erhielten Rektor und Konrektor, jeder 25 fl. als„gratiale.“ Bemerkenswert erſcheint, daß ſeit dem letzten Viertel des Jahrhunderts die Fälle ſich ſtändig mehrten, daß die Lehrer ihre Stellen nicht mehr als Durchgangsſtellen zum geiſtlichen Amt anſehen, obgleich ſie noch ſehr niedrig dotiert waren.
III. Die Schnle im 19. Jahrhundert.
Die Koalitionskriege, die Vertreibung der Oranier aus den Niederlanden, die Unſicherheit der öffentlichen Zuſtände machen ſich auch in den Geſchicken der Schule bemerklich. Erſt als nach den Friedens⸗ ſchlüſſen von Lüneville und Amiens die Oranier wieder in ihre Stammlande zurückgekehrt waren, beginnen unſere Schulakten wieder zu reden. Rektor Römer beantragte 1803, da die dritte Klaſſe 35 Schüler habe, welche der alte und körperlich ſchwache Trepka nicht mehr meiſtern könne, deſſen Penſionirung mit vollem Gehalt. Aber die pekuniäre Bedrängnis verhinderte die Genehmigung dieſes Antrags. Bis zun Jahr 1808 ſchweigen die Akten gänzlich, nachdem inzwiſchen die ſchlimmſte Leidenszeit der Schule begonnen hatte. Die Naſſauiſchen Lande waren geteilt, Dillenburg war an das Großherzogtum Berg gekommen. So klagten denn die Lehrer, welche den größten Teil ihres Einkommens aus den ſog. Gnadenthaler Ge⸗ fällen bezogen, welche bei Naſſau⸗Diez geblieben waren, daß ſie ſeit 1806 jene Gehaltsteile nicht mehr erhalten hätten, da der Rentmeiſter zu Diez ohne Anweiſung ſeiner Regierung nichts auszahle. Dieſe ver⸗ weigerte fortwährend die Auszahlung; die franzöſiſche Verwaltung ſchaffte keinen Erſatz und erteilte keine Antwort. Nach 2 Jahren, im Juli 1810, wandte ſich der Rektor Römer wiederum an den Großherzogl. Präfekten um Abſtellung des unerträglichen Zuſtandes; ſein Kredit, den er für ſeine Kollegen, um ſie vor der Execution zu ſchützen, angewandt habe, ſei erſchöpft; ſie ſeien ſonach alle„phyſiſch und ökonomiſch“ nicht mehr im Stande ihre Pflichten zu erfüllen. Außer jener bedeutenden Gehaltskürzung hatte die franz. Verwaltung auch die Einſtellung der Holzlieferungen ohne Erſatz geſchehen laſſen, ſodaß im Winter 1809/10 2 Monate lang in ungeheizten Zimmern unterrichtet wurde. Dabei habe jeder Lehrer ſeine volle 24 Stunden gehalten und ſie hätten jetzt nichts als den„Sold eines gemeinen Veteranen oder Taglöhners.“ Eine Antwort ſcheint nicht erteilt worden zu ſein. Als der Konrektor darauf aufmerkſam machte, daß der Ofen in ſeiner Klaſſe, der ſchon„vor 15 Jahren für untauglich erklärt worden“, jetzt ſo„zerborſten und zerfallen“ ſei, daß„kein Flicken und Placken mehr hilft“ ſteigert der Dillenburger Maire einen Kaſernen⸗ ofen und überweiſt ihn dem Petenten. Derſelbe erhielt auch ſeine 80 fl. aus der Kirchenkaſſe nicht mehr, denn der betr.„Munizipalitäts⸗Rat“ erklärte, es ſei kein Geld da; und da er um Abhilfe bat, wurde ſein Geſuch, weil ohne Stempel, abgewieſen; als er es aber auf Stempelpapier wiederholte, erhielt er jenen Betrag aus einem milden Fonds.
In dieſen unglücklichen Umſtänden blieben Lehrer und Schule; aber man hielt aus. Als im Auguſt 1813 die Konrektorſtelle frei wurde, und kein ordentlicher Gehalt vorhanden war, ſchlug der Präfekt vor, den infolge der eben geſchehenen Gründung der kath. Pfarrei nach D. zu berufenden Geiſtlichen Muth einſtweilen mit dem erledigten Lehramt zu bekleiden.
Als nun auch die 30 fl., welche ſeither— bis 1806— von der Herborner hohen Schule, an die Schule zu D. gezahlt wurden, nicht mehr flüſſig waren, und die Gemeinde zu D. die Zahlung weigerte, wurde vom Miniſterium des Innern zu Düſſeldorf das Schulgeld pro Quartal und Kopf auf 45 Kr. bis 1 fl. erhöht. Nun beginnen die Klagen des kath. Konrektors, daß er nichts erhalte; Erlaſſe der franz. Verwaltung helfen nichts; mit dem 27/11. 1813 ſchließen die Akten dieſer unheilvollen Epoche der Schule. Januar 1814 macht ſich wieder die humane Sorgfalt der deutſchen Verwaltung unter dem Miniſter von Gagern bemerklich. Rektor Römer ſtellte ſchon im Februar des Jahres die ſchreckliche Lage vor und charakteriſiert in ſeiner ſcharfen Weiſe die„Manier“ des Düſſeldorfer Miniſters Grafen Neſſelrode. „Es ſchmerzt mich, ſagt er zum Schluß, zu ſehr, daß der hochbejahrte Magiſter Trepka noch immer darben muß, den Konrektor Kretzer hat Hunger und Verzweiflung von hier weggetrieben. Ich habe meinen Kredit angewandt, meine Kollegen zu unterſtützen und finde mich endlich in der Lage pro bono publico Hunger


