Aufsatz 
Zur Geschichte der Anstalt / K. Fischer
Entstehung
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Zur Geſchichte der Anfalt.)

I. Die Stiftung der Schule und ihre Entwicklung im 16. Jahrhundert.

Die älteſte Urkunde, welche zur Geſchichte der Schule einen Beitrag liefert und datiert iſt, trägt die Datierung vom heiligen Oſtertag a. 1540. Da aber dieſe Urkunde ſowie eine von 1551 inhaltlich darauf hindeuten, daß eine unvollſtändig datierte älter iſt, ſo iſt dieſe zunächſt zu betrachten. Sie iſt das Konzept einer Anſtellungs⸗Urkunde, geſchrieben Sonntag Jakobi, Aprilis anno c. In derſelben beſtimmt Graf Wilhelm der Reiche, daß er denehrſamen und wohlgelehrten Meiſter Joſten von N. ein Jahr lang zu einem Schulmeiſter gehen Dillenburg habe annehmen und beſtellen laſſen, alſo und dergeſtalt, daß derſelbige Jedermanns Kinder und Knaben, ſo ihm befohlen und zur Schule gethan werden, in den freien Künſten treulich ſoll lernen und mit allem Fleiß unterweiſen und anhalten.Dabei ſoll auch ge⸗ meldeter Meiſter Joſt zu gewöhnlicher Zeit ſamt ſeinen Schülern in der Kirchen erſcheinen und daſelbſt mit dem Geſang, wie ihm von Unſertwegen durch Unſern jeder Zeit Paſtor zu D. ſolches befohlen wird, der Ehre und dem Dienſt Gottes mithelfen, fördern und vollbringen; derohalben er denn auch ſeine Knaben, ſoviel möglich iſt, dahin ſoll unterweiſen und anhalten, daß ſie gleichmäßig, einträchtig und wohl ſingen lernen. Wie dann benannter Meiſter Joſt Herrn Heymann, unſerm Paſtor zu D., von Unſertwegen ſolches und alles das zu unterziehen, ſo einem frommen uund fleißigen Schulmeiſter gebührt, verſprochen hat und vermöge eines Revers⸗Briefs, den wir von ihm haben, ſich verſchrieben hat. Dagegen ſo wollen Wir ihm, Meiſter Joſten eine Stuben und Kammer auf der Pforte nach Haiger zur Wohnung geben daneben noch allernächſt eine andre Stube zu den Knaben gebaut werden ſoll. Und zu jährlicher Be⸗ lohnung wollen Wir ihm hiermit verſchreiben 50 fl. und es ſoll ihm auch unſer Rentmeiſter dieſelbigen, nämlich alle Quatember 13 fl. entrichten und wohl bezahlen. Und von jedem Knaben, den er lernen wird, ſollen ihm die Eltern oder Verwandten alle Vierteljahr 4 Albus entrichten und geben. Zum Schluß wird vierteljährige beiderſeitige Kündigungsfriſt feſtgeſetzt.

Da nun der in der Urkunde genannte Pfarrer Heymann 1538 durch einen anderen erſetzt wurde, ſo muß ſie vor dieſem Jahr liegen; da in der gräflichen Kammerrechnung vom 26./3 1538 eine Summe in Ausgabe geſtellt iſt, von der Meiſter Joſt Hoen von Gelnhauſen einen Teil als Gehalt bekommen hat, ſo darf gefolgert werden:

1) daß jener Meiſter Joſt dieſer J. Hoen iſt, 2) daß die Anſtellungszeit: Sonntag Jakobi Aprilis in das Frühjahr 1537 fällt.

Da die Kammerrechnungen frühere Angaben nicht enthalten, welche hierauf ein Licht würfen, alle ſonſtigen Perſonal⸗ und Lokalnachrichten ſich nur auf die deutſche Stadtſchule beziehen können, ſo wird nach dem Stand der urkundlichen Nachrichten für jetzt das Frühjahr 1537 als die Stiftungszeit anzuſehen ſein.

Der Zeitfolge nach als die 2. erſcheint die oben genannte Urkunde aus dem Jahre 1540, welche die Beſtellung des Meiſter Johannes von Biedenkopf betrifft. Dieſer wird ausdrücklich zumUnterſchul⸗ meiſter mit der Verpflichtung ernannt, daß erin Gehorſam des ehrſamen Antonii Stöffer von Beueren, ſeines Präceptors, in billigen Dingen ſich halten ſoll. Dieſer A. Stöffer, oder Stöver aus Beuren in

.) Die folgende Darſtellung beruht auf den noch vorhandenen Urkunden und Akten, welche mir in 16 Faszikeln vom Königl. Staatsarchiv in Wiesbaden zur Bearbeitung überſandt wurden. 1*