Aufsatz 
Die elektrische Starkstromanlage für den physikalischen Unterricht am Ostergymnasium zu Mainz
Entstehung
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An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir im Skioptikon auch Fokusglühlampen von 50 NK und 120 Volt verwenden, welche von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin bezogen wurden. Der Glühfaden ist in solchen Lampen in Form einer Spirale gewunden, so dass er auf einen möglichst kleinen Raum zusammengedrängt ist. Deshalb können diese Glühlampen auch im Projektionsapparate verwandt werden. Der Lichtkreis auf dem Schirm zeigt zwar kleine Ungleich- mässigkeiten in der Helligkeit, die man besonders dann bemerkt, wenn man die Lampe in der Laterne um ihre Längsachse dreht. Doch sind dieselben kaum störend.

Zum Schlusse möchte ich noch auf einige Anwendungen hinweisen, welche Nernstlampen im Unterricht erfahren können. Da diese Lampen einer höheren Spannung bedürfen, so wurde zugleich mit ihnen von der Allgemeinen Plektrizitäts-Gesellschaft ein Wechselstrom-Transformator bezogen, der die Spannung von 120 Volt auf 220 erhöht. Das grösste erhältliche Modell kann bis zu 5 Amp. sekundär abgeben bei etwa 9 Amp. primärer Stromstärke. Diese Grösse wurde gewählt, da der Transformator ausser zum Betrieb der Nernstlampen auch bei anderen Versuchen verwandt werden kann, wenn eine höhere Spannung von Vorteil ist. Beispielsweise lässt sich mit demselben ein Platindraht von 0,10 mm Dicke noch bei einer Länge von 3 m in helle Rotglut versetzen und so zur Demonstration stehender Wellen nach Tyndalll¹) verwenden.

Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft bringt zwei Modelle der Nernstlampe in den Handel.

Das kleinere Modell B lässt sich wie jede gewöhnliche Glühlampe in die gebräuchlichen Lampenfassungen einschrauben. Die von uns bezogene Lampe dieser Art hat einen Pnergie- verbrauch von 80 Watt und eine Lichtstärke von rund 50 NK. Die Glocke dieser Lampe besteht aus klarem Glas, um die innere Einrichtung wenigstens teilweise sichtbar zu machen. ²)

Das grössere Lampenmodell A*) wird für Betrieb mit Wechselstrom bis jetzt nur für einen Energieverbrauch von 100 Watt und eine Lichtstärke von 65 NK hergestellt, während für Gleich- strom auch Lampen von 200 Watt(135 NK) geliefert werden. Ich habe daher nur mit einer Lampe von 100 Watt arbeiten können. Da hier alle Teile, auch die elektromagnetische Ausschalt- vorrichtung durch Entfernen der messingenen Schutzkappe, freigelegt werden können und auch in diesem Zustande die Lampe in Betrieb gesetzt werden kann, so ist dieses Modell für Demon- strationen besonders geeignet. Mit dieser Lampe sind die im folgenden beschriebenen Versuche ausgeführt.

Beim Betriebe beider Lampensorten ist zu beachten, dass der Heizkörper den Leuchtkörper nur dann sicher anwärmt, wenn die beide tragende Porzellanscheibe sich in wagrechter Stellung über ihnen befindet.

Das rein weisse Licht, welches die Nernstlampe liefert, macht sie zur Verwendung als Lichtquelle im Projektionsapparat recht geeignet. Steht sie natürlich an Helligkeit dem elek- trischen Bogenlicht und dem Kalklicht bedeutend nach, so ist immerhin bei kleinem Schirm- abstand ein schöner Effekt zu erzielen. Bei einem Abstande von 3 m konnte ich in unserem Stöhrer'schen Skioptikon mit dem Lampenmodell A Photogramme von Landschaften und Gebäuden sehr schön projicieren. Leider kommt infolge der geradlinigen Form des Leuchtkörpers nicht die volle Lichtstärke der Lampe zur Ausnützung, da der Projektionskopf unseres Apparates nicht alles Licht fasst, welches durch die Condensorlinsen hindurchgeht. Hier wäre eine bogenförmige

¹) Tyndall, Der Schall, S. 110.

²) Modell B kann nur nach Entfernen einer Plombe geöffnet werden, wird aber dann, wenn unbrauchbar geworden, von der Fabrik nicht mehr zum Umtausch zurückgenommen.

³) ETZ 1901, S. 400.