D“ Familie der Syrphiden ist nächst der der Musciden wohl die formenreichste unter den Dipteren. Trotz aller Mannigfaltigkeit aber zeigen die Arten dieser Gruppe eine solche Übereinstimmung im Bau der wichtigsten Organe, daß sie wohl entwicklungsgeschichtlich als ein einheitlicher Stamm aufgefaßt werden müssen, der wie die zahlreichen fossilen Funde beweisen, ein recht hohes erdgeschichtliches Alter besitzt und im Tertiär durch seinen Reichtum an Arten und Individuen alle anderen Dipterenfamilien weit überragte, mithin jetzt den Höhe- punkt seiner Entwickelung bereits überschritten hat. Diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß die Syrphiden gegen- über den übrigen Dipterenstämmen etwas isoliert stehen und mithin leicht und sicher von allen übrigen Familien zu unter- scheiden sind. Das Vorhandensein der Lunula auf der Stirn und der Venia spurea auf der Flügelmitte trennt schon gan⸗ allein die Syrphiden von allen übrigen Dipteren.
Für die einheitliche Abstammung spricht auch die UÜber- einstimmung in der Lebensweise der Syrphiden, die als ent- wickelte Tiere alle von Blütensaft leben, daher auch niemals als Schädlinge auftreten, vielmehr meist durch Ubertragung des Pollens und Befruchtung der Blüten großen Nutzen bringen. Die amphipneustischen Larven leben meistens von vegetabilischen Bestandteilen oder halbparasitisch bei oder von anderen Insekten; die Larven der Syrphusarten bringen als Vertilger der Blattläuse den Menschen recht erheblichen Nutzen.
Weniger leicht als die Abgrenzung der Syrphiden ist die Systematik der Familie selbst, da bei jenen Gruppen, die sich auch jetzt noch in einem Zustande großer Variabilität befinden, z. B. den Arten der Gattungen Cheilosia, Syrphus, Merodon, Volucella usw., eine scharfe Trennung der Arten sehr schwer, oft ganz unmöglich wird. Die Schwierigkeit ist um so größer, je ausgedehnter das Faunengebiet ist, das bearbeitet wird, und je mehr neue Arten gefunden werden.


