Aufsatz 
Erfahrungen und Ansichten mit Bezug auf den deutschen Aufsatz in der Bürgerschule
Entstehung
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hat ſeinen Frieden, ein jeder Stand hat ſeine Laſt. Letztere Aufgabe gegen Ende eines Schuljahres gegeben, zur Zeit, wo ernſtlich an die Wahl eines Berufes gegangen werden muß.

Sogenannte Geſchäftsaufſätze: Quittungen, Zeugniſſe, Miethverträge, Geſuche um eine Stelle, Anzeige von verlorenen Gegenſtänden u. ſ. w.

Es gibt Schulen in Deutſchland, in welchen unter dem Worte Aufſatz vorzugsweiſe eine ſolche Ausarbeitung verſtanden wird. Es mag ſein, daß es hier und da nöthig iſt, die Schüler ganz be⸗ ſonders darin zu üben. Bei meinen Schülern habe ich das nicht für ſo ſehr nöthig gehalten. Ich ſtimme Herrn Profeſſor K. A. Schmid bei, der(Encykl. I, 335) ſagt:Die beſondern Regeln für Geſchäftsaufſätze lernt man überhaupt beſſer im Geſchäftsleben ſelbſt, und wer in der Schule ſich ſchriftlich auszudrücken gelernt hat, lernt ſolche Formen im Leben, wenn er ſie bedarf, ſchnell. Es iſt in dieſer Art von Aufgaben nichts, was den Verſtand der Schüler bilden, nichts, was ihr Gemüth anſprechen, nichts, was ihnen wahres Intereſſe abnöthigen könnte. Meinen Schülern kamen dieſe Aufgaben, neben den andern, die ich zu geben gewohnt war, immer etwas ſeltſam und fremdartig vor. Ich gab ſie etwa alle zwei Jahre einmal, und immer nur als übung in der Stunde ſelbſt, nie als häusliche Arbeit; für ſolche ſchien mir's kein würdiger Stoff zu ſein. Es iſt wie die Aus⸗ füllung eines gedruckten Formulars, wie ein Rechenexempel, wie die Löſung einer algebraiſchen Auf⸗ gabe, deren Anſatz gegeben iſt. Daß kalligraphiſche Muſterblätter auch ſolche Quittungen u. ſ. w. geben, iſt ganz in der Ordnung. Aber das genügt faſt für die Schule, wenigſtens für eine ſolche, wie ich ſie hier im Auge habe. Die Verhältniſſe ſelbſt, um deren Feſtſtellung und Regelung es ſich bei ſolchen Schriftſtücken handelt, ſind den Knaben meiſt noch fremd, und dürfen ihnen noch fremd ſein. Wollten wir auf ſolche Ausarbeitungen beſondern Werth legen, ſo wären wir in Gefahr, die Knaben aus ihrem Leben heraus mit Gewalt in ein anderes zu führen, für welches ſie naturgemäß noch keinen Sinn haben.

Ich weiß, daß Andere hierin anderer Anſicht ſind, ſolche Lehrer namentlich, die da glauben, die Schule ſolle den Schülern hauptſächlich Kenntniſſefür's Leben, wie man es nennt, beibringen. Die Schule ſoll, dies iſt meine Anſicht, die Knaben, ſo viel an ihr liegt, zu tüchtigen Knaben bilden, dann werden ſie auch, erwachſen, mit Gottes Hülfe tüchtige Jünglinge und Männer werden; und was ſie dann zu ſchreiben haben, dafür wird ſich ihnen, liegen nur die richtigen Gedanken in klarer Anordnung ihrem Geiſte vor, leicht auch die richtige Form ergeben.

* Augéscheden Universitätsbibliothek 12