Aufsatz 
Zur Beantwortung der Frage: Wer hat die Jungend zu erziehen?
Entstehung
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vorher gezweifelt hatte, im Stande ſei, die Arbeit zu fertigen, er ſah, wie der Lehrer zufriedener mit ihm wurde, er kam wieder auf guten Weg und blieb auf dieſem.

Manchmal freilich mußten ſolche Bemerkungen öfters wiederholt werden; das war dann kein gutes Zeichen der im Hauſe herrſchenden Ordnung und Zucht.

Zweierlei, das uns wohl bei ſolchen für die Eltern geſchriebenen Bemerkungen begeguet iſt, will ich hier anführen. Einmal weigerte ſich ein Vater, ſeine Unterſchrift zuzufügen. Das iſt nun eigentlich nicht recht zu begreifen. Die Unterſchrift ſoll ja weiter nichts als nur erklären, daß man die Bemerkung geleſen habe und fernerhin die nöthige Sorge tragen wolle.

Ein andermal ließ uns auf eine ſolche Bemerkung hin eine Mutter ſagen, wir möchten recht ſtreng ſein. Unſere Bemerkung war ja aber gerade zu dem Zwecke geſchrieben, uns der Nöthigung, Strenge zu üben und Strafen anzuwenden, zu überheben.

Einen andern Wink können Ihnen die häufigen Strafſtunden geben, die Ihrem Sohne wegen Trägheit zuerkannt werden.

Aber, fragen Sie wieder, woher ſoll ich denn wiſſen, welche Arbeiten meinem Sohne auf⸗ gegeben ſind und wann er ſie abzuliefern hat? Auf dieſe Frage, die uns ſchon häufig gethan worden i*ſt, antworten wir mit Folgendem. In den mittleren und oberen Klaſſen ſoll jeder Schüler ein Auf⸗ gabenbuch beſitzen; in dieſes hat er einzuſchreiben, welche Arbeit ihm aufgegeben iſt und auf wann. Eine Hauptſache iſt nun, daß dieſes Aufgabenbuch in guter Ordnung geführt werde. Wenn dies geſchieht und es wird geſchehen, wenn Sie darauf halten, ſo iſt es Ihnen leicht, dafür zu ſorgen, daß Ihr Sohn gerade jetzt die ihm auf den folgenden Tag aufgegebene Arbeit fertige. Ich wiederhole: Sehen Sie nicht darauf, ob die Arbeit ganz richtig iſt; das überlaſſen Sie ihrem Sohne ſelbſt; aber ſehen Sie darauf, daß er alle ſeine Kraft aufwende, etwas Gutes zu liefern; halten Sie ihn an(daran ihn zu gewöhnen, iſt ſehr wichtig fürs ganze Leben), die fertige Arbeit ſelbſt noch⸗ mals durchzuſehen und etwaige Fehler, die er ſelbſt findet, zu verbeſſern; ſorgen Sie dafür, daß das Abliefern auch zur rechten Zeit geſchehe. Begnügen Sie ſich aber, falls Ihr Sohn Neigung zur Trägheit und zum Leichtſinne hat, nicht damit, nur ein einzigesmal ihm dieſe Sorge angedeihen zu laſſen, ſondern ſetzen Sie das ſo lange unausgeſetzt fort, bis Sie ihn mit Beruhigung ſeinem eigenen Fleiße und Pflichtgefühle überlaſſen können. Aber auch dann laſſen Sie ihn in dieſer Beziehung noch nicht ganz aus den Augen; ſehen Sie öfters ſeine Schulhefte nach, achten Sie auf die in dieſen enthaltenen Bemerkungen der Lehrer, und ſobald Sie ein Nachlaſſen merken, ziehen Sie die Zügel wieder ſtärker an. Es iſt eine große Mühe, die Ihnen hier zugemuthet wird, aber es geſchieht ja um Ihres Sohnes willen.

Wenn Sie, geehrte Eltern unſerer Schüler, das in dieſen Blättern Geſagte beherzigen; wenn Sie Ihren Kindern Achtung vor der Schule einflößen; wenn Sie die Einrichtungen, welche die Schule zur Erhaltung der Ordnung getroffen hat, beachten; wenn Sie die Kinder regelmäßig in die Schule ſchicken und ſie nicht etwa einer Luſtbarkeit wegen verſäumen laſſen; wenn Sie dieſelben ſo erziehen, daß ſie jede Rohheit meiden; wenn Sie ein aufmerkſames Auge auf das Schulleben der Kinder richten, und wo darin etwas mangelhaft ſein ſollte, abzuhelfen ſich bereiten: dann werden viele Strafen vermieden, dann werden die Schüler mit neuer Luſt lernen, die Lehrer mit neuer Freudigkeit ihr Amt führen; dann wird der Zweck der Schule erreicht.

Möchten wir ſchon gleich mit dem Beginne des nächſten Schuljahres ſehen, daß die hier ge⸗ ſprochenen Worte freundliche, ernſte Beachtung gefunden haben. Das gebe Gott!