Aufsatz 
Textberichtigungen zur Antigone des Sophokles / von Heinrich Feußner
Entstehung
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Stelle vorangehn und nachfolgen, enthaltenen Erkennungsmerkmale der durchgehenden Sprach⸗ und Gedankengeſtaltung; theils eine zu ſehr im Einzelnen befangene Betrachtungsweiſe, welche die aus der klaren Erfaſſung des Ganzen hervorgehenden, hauptſächlich entſcheidenden Geſichtspunkte aus dem Auge verliert, die Schuld trägt, wenn die rechte Grundlage nicht gewonnen wird, um eine ein⸗ getretene Textesentſtellung nach ihrer Art und ihrem Umfang ſicher zu erkennen, und auf Grund deſſen entſprechend zu berichtigen. Ich hebe aus den Schlußtetrametern aus:

V. 1524 1527. Q ⁴᷑τρας νςα ε&᷑eνοαηο, eοσσσσ, Oidο 60e, d τ*λμεενν ανεννμαα νeνiIOõIGMFt ⁴ντιιαναοο ν dvν, 3 1ς½ᷣ d AL urd ad ,is ALerG, els dον πeυν⁸οσνα deιννμςρ σνυνιοσς εμν⁵νev.

Von dieſen Verſen erſcheint der erſte, zweite und vierte nach Sinn und Sprache untadlich, der dritte aber iſt ſinn⸗ und ſprachwidrig entſtellt. Denn 1) ſtellt das einleitende ö is ihn als Relativſatz hin, dem ein Verbum Finitum als Prädikat zukäme; ſtatt deſſen bietet er ein Participium 6r Aenr, welches daher dem Verdacht der Entſtellung verfällt. 2) Geht die Relation hier zurück auf die beſtimmte Perſon des Oedipus, und dieſe kommt hier nach ihren beſonderen individuellen Merkmalen, nicht nach allgemeinen Gattungsmerkmalen in Betracht. Die Rückbeziehung auf die Individualität aber fordert 3§, wie es im vorhergehenden Relativſatz richtig ſteht, nicht das generelle 3oris; es iſt alſo das dem 56s hier zugefügte ꝛʃ½½ der Entſtellung verdächtig. 3) Iſt auch das zu⸗ nächſt folgende os inſofern nicht ganz ohne Bedenken, weil es den Umſtänden nach viel näher lag, die ſtärker ergreifenden poſitiven als die minder wirkſamen negativen Eigenſchaften hervorzuheben. 4) Enthalten die Worte enle at röxs disparate Begriffe, welche nicht zu einem durch Q⁷½ verbundenen gleichartigen Begriffspaar paſſen; ihr Gattungsgegenſatz erregt alſo gegen dieſe Verbindung Verdacht, und dieſer kehrt ſich zunächſt gegen die Richtigkeit des aal, trifft aber zum Theil auch die Worte ſelbſt. 4

Wenn ſo Vieles in einer Stelle ſprachlich und begrifflich Bedenken erregt, ſo hat man ſich vor Allem zu hüten, daß man nicht, ehe dieſe Bedenken gründlich unterſucht und gehoben ſind, über ſie hinweggehend mit ſprachzwängenden Erklärungsverſuchen den widerſtrebenden Worten einen noth⸗ dürftigen Sinn aufzukünſteln ſich verleiten läßt. Der Reiz des Scharfſinns läßt dann gewöhnlich die Gränzen nicht beachten, die Sprachgeſetz und Sprachgebrauch ziehen. Bei unſerer Stelle hat Korais ſich auf dieſen Weg verlocken laſſen und erklärt: ai⁴α οαυάηꝶνσ aBb τιυιeινννα öſtehe als Hendiadys für enkorais roxο⁵ oxas und bedeute prosperitas civium; das Verbum sme⸗ SAexety ſei aus denſelben Beſtandtheilen zuſammengeſetzt, wie das lat. in-video, und dies ſei das einzige Wort, womit der Lateiner den Begriff neiden ausdrücke; da nun das Lateiniſche ein ſehr alter Dialekt des Griechiſchen ſei, ſo diene es nicht ſelten auch zur Erläuterung des Griechiſchen und ſo hier des Wortes errXeretv, das in gleicher Weiſe wie invideo den Begriff des Neides nach dem gierigen Hinblicken auf das Glück eines Andern bezeichne. Die Stelle heiße alſo lateiniſch ausgedrückt: qui civium prosperitati numquam invidebat. Jeder, der ſich beſonnen die Gränze