Aufsatz 
Geschichte der Oberrealschule Michelstadt i.O. 1834-1934 : Festschrift zur Hundertjahrfeier am 28., 29. und 30. September 1934
Entstehung
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Wir haben nun noch einer Einrichtung zu gedenken. die der Realſchule in Michelſtadt ein beſonderes Gepräge gab und ſie auf einem Sondergebiet nicht nur in Heſſen, ſondern in ganz Deutſchland führend ſein ließ. Während der Sommer⸗ ferien 1895/96 wurde auf Veranlaſſung des Direktors Dr. Gerhard in dem Erdgeſchoß des Realſchulgebäudes ein Raum zu einer Werkſtätte für Handfertigkeitsunterricht eingerichtet. Die Unterrichtsleitung übernahm zunächſt der Großh. Real⸗ lehrer Kleinen, der ſich hierfür während einiger Monate in ſeiner freien Zeit bei einem Schreinermeiſter vorbereitet hatte. Infolge dieſer Vorbereitung, und weil Kleinen eine Ver⸗ bindung des Handfertigkeitsunterrichts mit dem perſpektivi⸗ ſchen und geometriſchen Zeichnen erſtrebte, wurde hauptſäch⸗ lich Wert auf Hobelbankarbeit zur Anfertigung von Holz⸗ verbindungen gelegt, zu denen ſich die Schüler durch Hobeln von Latten für einen Gartenzaun vorbereiteten. Die Schüler fertigten Schemel, Bücherbretter, Käſtchen, kleine Pulte und Modelle für das perſpektiviſche Zeichnen. Nach der Verſetzung Kleinens an das Gymnaſium zu Worms übernahm Oſtern 1897 Hönig den Handfertigkeitsunterricht und ließ in den Arbeiten inſofern eine Aenderung eintreten, als er einfache Apparate bauen ließ, um eine Verbindung des Handfertig⸗ keitsunterrichts mit der Phyſik anzubahnen. Zu den Arbeiten an der Hobelbank kamen nun noch einfache Metallarbeiten, namentlich ſolche, bei denen der Lötkolben Anwendung fand. Bei der Auswahl der zu fertigenden Gegenſtände wurde da⸗ rauf Rückſicht genommen, daß alle Teile von dem Schüler ſelbſt ausgeführt wurden und der Preis des verwandten Materials ſich möglichſt niedrig ſtellte. Die fertigen Apparate, auf deren gefälliges Ausſehen beſonders geachtet wurde, waren dazu beſtimmt, die Schüler zum häuslichen Experimen⸗ tieren und Beobachten anzuregen. Einrichtung und Methode des Unterrichts ſchilderte Hönig in der Beilage zum Jahres⸗ bericht 1901 unter dem Titel:Der Handfertigkeitsunterricht im Anſchluß an d. Phyſik an der Großh. Realſchule Michelſtadt. Eine ſchöne Anerkennung wurde dem verdienten Lehrer zu⸗ teil, als von ſeiten der Deutſchen Unterrichts⸗Ausſtellung in Berlin die Einladung an ihn erging, Apparate, die unter ſeiner Leitung hergeſtellt waren, in derSonderausſtellung phyſikaliſcher Handarbeiten, die von Februar bis April 1913 veranſtaltet wurde, zur Schau zu ſtellen. Außer einer Reihe von Seminarien und Präparandenanſtalten waren nur drei höhere Schulen in der Lage, die Ausſtellung zu beſchicken: das Städtiſche Realgymnaſium mit Realſchule in Altona, das