Aufsatz 
Geschichte der Oberrealschule Michelstadt i.O. 1834-1934 : Festschrift zur Hundertjahrfeier am 28., 29. und 30. September 1934
Entstehung
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II. Die Realſchule.

So ſegensreich das Progymnaſium als einzige höhere Schule im Odenwald wirkte, auf die Dauer vermochte ſie den Anſprüchen der doch mehr auf das Praktiſche gerichteten Be⸗ völkerung nicht zu genügen. Die mathematiſche und natur⸗ wiſſenſchaftliche Unterweiſung nahm einen doch gar zu küm⸗ merlichen, dem Stand der Wiſſenſchaften, der Technik und der Wirtſchaft in keiner Weiſe entſprechenden Raum ein. Denn gerade auf dieſen Gebieten wurden in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bedeutende Fortſchritte ge⸗ macht, an denen das Bürgertum auch unſerer Gegend leb⸗ haften Anteil nahm. Alle Gewerbe erfuhren, namentlich ſeit dem Abſchluß der preußiſch⸗heſſiſchen Zollvereinigung im Jahre 1828, einen großen Aufſchwung, und die gewerbetrei⸗ benden Väter hatten den nicht unberechtigten Wunſch, daß ihre Söhne eine den Fortſchritten des Gewerblichen entſpre⸗ chende Bildung erhielten, damit ſie leichter in ihren künftigen Beruf hineinwüchſen. Die Zeit war, wie die Männer des Gymnaſiums mit Kummer feſtſtellen mußten, aufs Materielle gerichtet und ſchrittauf den Eiſenbahnen und Dampfmaſchi⸗ nen mit beflügelter Eile vorwärts, zum Schaden der Gym⸗ naſien. Im Jahre 1830 zählte das Michelſtädter Progym⸗ naſium nur noch 17 Schüler, und es mehrten ſich die Stim⸗ men, welche die Umwandlung der progymnaſialen Lehran⸗ ſtalt in eine ſtaatliche Realſchule forderten. Dem Grafen Albert, dem eigentlichen Begründer der höheren Schule im Odenwald, kam dieſe Forderung gelegen. Wie wir oben ſchon ſagten, war es von vornherein ſein Beſtreben, aus der progymnaſialen Privatlehranſtalt eine öffentliche Realſchule herauswachſen zu laſſen, und ſo leitete er nun auch die Ver⸗ handlungen mit der Großherzoglichen Staatsregierung ein, die jetzt vor hundert Jahren zur Errichtung der Realſchule führten.

Nachdem der Gemeinderat beſchloſſen hatte,daß die Stadt für alle Ausgaben, auch hinſichtlich des Lokales zu