Aufsatz 
Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
Entstehung
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um Befreiung ihrer Fabrikate von der Acciſe, ſoweit es ſich um den Verbrauch im Inlande handle, ſeitens des Vor⸗ ſtehers der evangeliſchen Kirche um Unterſtützung zum Bau eines Schulhauſes und ſeitens der Kaufleute um Verbeſ⸗ ſerung der Landſtraßen zur Erleichterung des Kohlentrans⸗ ports. Auf das letztere mit großer Lebhaftigkeit vorge⸗ brachte Anliegen erwidert der König lächelnd:Ich werde Ihren Befehl reſpektieren, dazu bin ich da; und entläßt ſie mit den Worten:Ja wäre ich Gott, ſo wollte ich Ihnen allen helfen. Nach der Ausſage der Kammerhuſaren iſt der König ſeit langem nicht ſo vergnügt geweſen, eine Be⸗ merkung, die die Bürgerſchaft gewiß mit ganz beſonderer Freude erfüllt hat.*)

Und ſo groß die Freude in den Städten war, wenn der König kam, ſo groß war anderſeits die Enttäuſchung, wenn der mit Spannung Erwartete infolge veränderter Dispo⸗ ſition ausblieb. Am 18. Auguſt 1785 ſollte er in Landes⸗ hut eintreffen, alles war, ſo berichtet der damalige Bürger⸗ meiſter Tepler, aufs ſorgfältigſte zum Empfang des Königs bereitet, alle zur hieſigen Jurisdiction gehörigen Straßen gut gebeſſert; ſeit zwei Tagen ſtanden die zum Relais beſtimm⸗ ten Pferde bereit, und genügend Vorkehrungen waren ge⸗ troffen worden, um die Zudringlichkeit aller Arten mut⸗ williger Querulanten und unnützer Supplikanten zu ver⸗ hindern, da kommt plötzlich der Poſthalter Seliger aus Dittersbach in vollem Trabe angeſprengt mit der Meldung, daß der König ſeine Reiſeroute geändert habe und nicht kommen würde, wahrſcheinlich, weil er erfahren hatte, daß die ganze Gemeinde Krauſendorf eine Stunde von Landeshut auf der Heerſtraße ſich aufgeſtellt hatte, um ihnantreten zu wollen.*) Es iſt oft mit Verwunderung bemerkt worden, wie leicht es war, in die Nähe des Königs zu gelangen: in Sans⸗ ſouci zog nur Nachts ein Unteroffizier mit 6 Mann zur Wache

*) Hier. war es, wo der König ſogarCarcaſſen und Chapeaux im Zimmer geduldet hat, um ihn ſpeiſen zu ſehn, und iſt ſogar ſo wenig ungeduldig darüber geweſen, daß er ſogar mitunter geſcherzet hat. Ob ſeine Außerung auf die Antwort, daß, wer hier 30 40 Mille beſitze zu den Reichen gehöre:Nein, nein, ich weiß, daß es hier Millionärs gibt, vielleicht auch ſo aufzufaſſen iſt? *) M. R. III 24 a vol. V, Bl. 116.