Aufsatz 
Festschrift zum 200jährigen Jubiläum des Realgymnasiums zu Landeshut
Entstehung
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Die während ihrer erſten Dezennien blühende evangeliſche Lateinſchule erlitt im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts aus äußeren und inneren Gründen einen raſchen Verfall, ſo daß ſie im Anfange des 19. Jahrhunderts kaum noch den Namen einer höheren Schule verdiente. Die für damalige Zeiten großartige Schenkung von rund 21 000 Talern, welche der Kaufmann Ernſt Wilhelm von Kluge durch teſtamen⸗ tariſche Beſtimmung vom 25. Februar 1815 der hieſigen Stadtgemeinde zu Schulzwecken vermachte, ſchaffte die pekuniäre Möglichkeit zu einer Reorganiſation der Landes⸗ huter Schule. Die äußerſt verdienſtvolle Tätigkeit dreier Männer, welche um dieſe Zeit an der Spitze der Verwaltung unſerer Stadt ſtanden, nämlich des Bürgermeiſters Perſchke, des Superintendenten Falk der AÄltere und des Rektors Baude, nützte dieſe Möglichkeit nach Kräften aus, und ihren ver⸗ einten Bemühungen gelang es, innerhalb der zwanziger und dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts unſere Anſtalt derartig zu heben, daß ſie durch Verfügung des Miniſteriums der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten am 1. November 1836 als höhere Bürgerſchule im Sinne der Inſtruktion vom 8. März 1832 anerkannt wurde. Seitdem iſt ſie ununterbrochen in ſegensreicher Tätigkeit und hat wieder⸗ holt ſeitens der vorgeſetzten Königlichen Behörden ehrende Anerkennung für ihre Arbeit erhalten. Am 1. November 1886 konnte ſie feierlich auf ein 50 jähriges Beſtehen als ſtaatlich anerkannte öffentliche höhere Lehranſtalt zurück⸗ blicken. Zu dieſer Feier ſchrieb der unterzeichnete Direktor bereits eineGeſchichte des Realgymnaſiums zu Landeshut, die ſelbſtverſtändlich mit dem Jubiläumsjahre ſchloß, und heute bleibt ihm ſomit nichts weiter übrig, als dieſeGe⸗ ſchichte bis zur Jetztzeit fortzuführen.

Im großen und ganzen iſt die Geſchichte des hieſigen Realgymnaſiums ſeit 1886 dieſelbe wie die Geſchichte aller Realgymnaſien der Jetztzeit. Unſere Anſtalt ſtrebte mit ihren Schweſtern vor allem dem jetzt erreichten ſtolzen Ziele nach, die volle Gleichberechtigung mit den humaniſtiſchen Gymnaſien zu erhalten. Dieſes Streben war kein eigenwilliges und von eigener Überhebung getragenes; es war ein einfacher Aus⸗

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