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Nach der Räumung des Rheintales seitens der Deutschen gingen die Franzosen mit aller Macht an die Berennung Philippsburgs. Am 17. Juni wurde Berwick durch eine Kanonenkugel in- den Laufgräben getötet, worauf d’Asfeld das Kommando übernahm. Am 26. Juni endlich erschien Prinz Eugen, nachdem seine Armee durch Zuzüge bis zur Stärke von 70000 Mann angewachsen war, zum Entsatz der schwer ringenden Festung. Er fand. aber den zur Deckung der Belagerungsarbeiten angelegten Circumvallationsgürtel der Franzosen zu stark, als daß er ihn sprengen zu können glaubte. So mußte denn Wuttgenau nach rühmlich geleisteter Gegenwehr angesichts des kaiserlichen Heeres kapi- tulieren. Mit dem Falle der Festung hatten die militärischen Leistungen des ganzen Krieges ihren Höhepunkt überschritten, Die Franzosen hatten ihr Ziel, eine neue Ausfall- pforte in das Deutsche Reich zu gewinnen, erreicht. Was sonst noch in. diesem Jahre geleistet wurde, fiel nicht aus dem Rahmen des Husarenkrieges.
Womöglich noch bedeutungsloser waren die Ergebnisse des nächsten Jahres. Auch da hört man nur von endlosen Vorpostengefechten, Überfällen u. s. w. Gleichwohl erlebten die Ettlinger Linien, allerdings in sehr beschränktem Umfang, als Glied eines im Sommer 1735 von Prinz Eugen angelegten größeren Verteidigungssystems eine Art Auferstehung. Um nämlich den Franzosen ihren Brückenkopf Philippsburg wertlos zu machen, ließ er durch Stauung der Alb, der Pfinz, des Saal-, Krieg- und Kraichbaches den ganzen von Ettlingen über Bruchsal nach Ketsch sich hinziehenden Bruchstreifen in einer Breite von 500—800 Schritten unter Wasser setzen und die Passagen durch Schanzen und Blockhäuser sperren. Die bedeutendsten Punkte hinter dieser neuen Linie waren Herrenalb, Frauen- alb, Ettlingen, Durlach, Bruchsal, Ubstadt, Stettfeld,- Langenbrücken, Roth,. Hockenheim und Ketsch. Diese Strecke war mit 18 Bataillonen und 16 Schwadronen besetzt. Die Überschwemmung wurde am 15. Juni ins Werk gesetzt. Durch Schleusen wurde ein Teil des Albwassers in die Niederung des Seegrabens, in den Horbenlochwald, weiter unter Benützung des Scheidgrabens tiber die Wiesen bei Schloß Rüppurr und Gottesaue hinüber nach Rintheim, Hagsfeld bis Ketsch geleitet. In diesem System bildeten die zwischen Ett- lingen und dem Seegraben liegenden, unter erheblichen Kosten und Belästigungen wieder hergestellten Werke der Ettlinger Linien gewissermaßen den linken Flügel. Zu der Ettlinger Linie des Jahres 17351) mögen auch die drei Schanzen gehört haben, die laut An- gabe des schon S. 38 erwähnten Rüppurrer Gemarkungsplanes vom Jahr 1740 hinter der überschwemmten Seegrabenniederung etwas westlich der Hedwigsquelle, ferner bei der chemischen Fabrik und am Zusammenfluß von See- und Scheidgraben(westlich von Wolfarts-
1) Aus jener Zeit stammt auch der an der Nordseite der Ettlinger Gutleuthauskapelle(Straße Ettlingen—Durlach) stehende Grabstein des Majors Dubovay vom österr. Husarenregiment Spleny (jetzt Nr. 8):
R. W. /SISTE VIATOR O LEGE| HIC IACET SED TACET| SPECTABILIS AC GENERO| SUS DÖMINUS SIGISMNDUS| DUBOVAY DE EADEM/ I REGIMINIS HUNCARICI| EQUESTRIS ORDINIS[L: B: G: DE SPLENY/ MAIOR QUI 80 ANNIS/ POST.SUPERATA MULTA| MARTIS PR&LIA[A MORTE VICTUS| OBIIT IN CASTRIS/ AD ETTLINGENN /|DIE 3 JULIJ| ANNO MDCCXXXV| ETATIS SUZE ANN 63.


