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der letzteren, daß Johanna, trotz der ſprechendſten Züge von Demuth, welche wir an ihr wahrgenommen, von der Sünde des Hochmuths nicht rein iſt. Und zwar haftet dieſelbe gerade an der Grundbedingung, worauf ihre ganze Miſſion geſtellt iſt.
Von dieſem Hochmuth alſo muß die Jungfrau„durche ſtrengen Dienſt geläutert werden“, wenn ſie ohne Straucheln und Fallen ihrer großen Aufgabe genügen ſoll. Denn iſt auch die Erreichung des Endzieles kraft göttlicher Offenbarung feierlich verbrieft, der Weg dahin iſt nicht nur nicht von Hinderniſſen befreit, ſondern gerade im Gegentheil als ein Prüfungsweg angekündigt. Auf dieſe Weiſe ſoll Johanna ganz ſich erkennen, um ganz ſich Gott geben zu können; von der Schwachheit ihrer eigenen und der weiblichen Natur überhaupt ſoll ſie durch Erfahrung belehrt werden, um dieſelbe beſtändig vor Augen zu haben und durch ſtete Selbſthut unter Gottes Beiſtand zu überwinden.
Johanna geht, ſie geht in dem für Frankreich verhängnis⸗ vollſten Augenblicke, in Chinon werden wir ſie bei ihrem König wiederfinden.


