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Goſchichto der Anſtult von 1537 bis 187,
— A. Die Schule in den oraniſchon Zoiten(537 bis 1817),
Wilhelm der Reiche, der Vater des großen Oraniers, von 1516—1559 Graf zu Dillenburg, hatte auf dem Reichstage in Worms, wo Luther im Jahre 1521 ſeine Glaubensſätze gegen Kaiſer und Reich verteidigte, an der neuen Lehre Ge⸗ fallen gefunden, und dieſe trotz des Widerſtandes, den ſem Bruder Heinrich, der vertraute Ratgeber Kaiſer Karls V., ſeinem Vorhaben entgegenſetzte. in den oraniſchen Landen vom Jahre 1530 ab unter durchgreifenden Veränderungen im Kirchenweſen ein⸗ geführt. Beſondere Schwierigkeiten bot die Erſetzung der bisherigen Geiſtlichen durch ſolche, die Luthers Glaubensbekenntnis angenommen hatten. Deshalb kam er auf den Gedanken, in den Hauptorten ſeines Landes„gelehrte“ Schulen einzurichten, um„junge Leute zum geiſtlichen Stande vorzubereiten und für die Kirche würdige und gebildete Diener zu er⸗ ziehen“.“¹)) So erfolgte, nachdem bereits 1536 in Siegen eine Schule entſtanden war, 1537 die Grün⸗ dung der lateiniſchen Schule in Dillenburg. Sie erhielt, zumal ein Melanchthon den Grafen in Dil— lenburg kurz vorher beſucht hatte, einen ausgeſprochen humaniſtiſchen Charakter, und wenn auch die älteſten Anweiſungen bezüglich der Lehrart und der Lehr⸗ gegenſtände nicht mehr vorhanden ſind, ſo läßt ſich doch aus anderen bedeutſamen Urkunden feſtſtellen, daß in der Schule, die bald 3 Klaſſen mit 3 Lehrern hatte und im Jahre 1581 von 33 Schülern beſucht war,²) außer einer eingehenden Einführung in das Studium der Bibel und des Katechismus in erſter Linie die alten Sprachen betrieben wurden, wobei allerdings der Umfang der Schriftſtellerlektüre weit über das heutige Maß hinausging. Bemerkens⸗ wert ſind, übrigens in Uebereinſtimmung mit den von Melanchthon veröffentlichten Lehrplänen, die aus einer erhaltenen Schulordnung von dieſem Jahre ſich ergebende Ueberfülle des lateiniſchen Unter⸗ richts, die ſpärlichen Anſätze einer Unterweiſung in der deutſchen Sprache, die nur beim Gebet, Bibelleſen und zu Uebungen in der lateiniſchen Grammatik An⸗ wendung findet, und das faſt völlige Zurücktreten der Geſchichte und auch der Realien, die aber als Physica und Mathematica in dieſem Lehrplan immerhin ſchon genannt werden. Dagegen waren als exercitia pro recreatione animi Muſizieren, Lauteſpie⸗ len und Malen und, im Einklang mit den Grund⸗
ſätzen moderner Jugenderziehung, als exercitia cor⸗ poris„ehrliche Spiele wie Ballſchlagen, Springen, Ringen und Schwimmen“ den Schülern empfohlen. Dieſen Grundcharakter hat die Schule während des 16. Jahrhunderts gewahrt. Daß ſie ſich nach einer bisher günſtigen Entwicklung im folgenden Jahrhun⸗ dert, insbeſondere während des 30jährigen Krieges, der auf ihren materiellen Wohlſtand und auf die geiſtige Bildung und Geſittung ihrer Zöglinge nur von verderblichem Einfluſſe geweſen ſein kann, unter den mancherlei Kriegsnöten, Einquartierungen, Seu⸗ chen, Brandſchatzungen durchziehender Kriegsvölker in ihrem Betriebe auf das ſtärkſte beſchränken mußte, aber doch lebensfähig geblieben iſt, geht aus den ſpärlichen Urkunden hervor, die aus dieſer Zeit vorliegen. Jedenfalls wird damals die 3. Lehrer⸗ ſtelle eingezogen, und erſt nach rund 150 Jahren (1774) wieder beſetzt. Es braucht kaum darauf hingewieſen zu werden, wie lückenhaft und unzuläng⸗ lich der damalige Unterricht geweſen iſt. An taug⸗ lichen Lehrern herrſchte empfindlicher Mangel, da dieſe viel lieber als Geiſtliche Anſtellung fanden; auch die geringen Beſoldungen bewogen die Lehrer, ihre Stellungen zu verlaſſen und ins Pfarramt über⸗ zutreten, wodurch im Lehramt häufiger Wechſel und nicht ſelten Unterbrechung eintrat. Die erwähnte Programmabhandlung des Rektors Kretzer bietet eine Zuſammenſtellung ³) der Rektoren oder Ober⸗ ſchulmeiſter(Protodidascali), Unterſchulmeiſter(Hypo⸗ didascali) und dritten Lehrer(praeceptores tertii) mit Angabe der Zeit ihrer Tätigkeit an der Dillen⸗ burger Lateinſchule. Hier und da ſetzt ſie zwar für einige Jahre aus, aber im ganzen bringt ſie doch eine zuſammenhängende Ueberſicht über die Lehr⸗ kräfte der erſten 2 ½ Jahrhunderte.
Ueber die Schickſale der Schule in den erſten 100 Jahren nach dem großen Kriege, über die die Akten uns noch mehr im Stiche laſſen, iſt nur jo⸗ viel feſtzuſtellen, daß die Schülerzahl zeitweilig wie⸗ der ſtieg, da„die Stadt ſowohl an Knaben als Mägdger“ ſtark zugenommen hatte(1676), und daß man wiederholt wegen der Anſtellung, der Amtsbe⸗ zeichnungen und der Beſoldung der Lehrkräfte ver⸗ handelte, wobei immer wieder Klagen über die Kümmerlichkeit der Lehrereinkünfte laut werden. Hinſichtlich der Lehrverfaſſung iſt den vorhandenen
1) Kretzer S. 6.— 2) Fiſcher S. 6.— 3) a. a. O. S. 8— 10(fiehe 2. T. A la).
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