Feſtgruß
dem Dillenburger Gumnaſium dargebracht zum 8, und 5, Soptombor 102 ½
Ein Menſchenalter deucht uns lange, Wenn unſer Aug' ins Ferne blickt, Doch kurz nur, wenn vom Niedergange Zurück man das Ermnern ſchickt. Und ſelbſt in des Jahrhundertlebens Verlauf, wie ſchnell iſt überſchaut Was es gebracht, indes vergebens Der Geiſt das Kommende ſich baut.
Der Jahre fünfzig ſind verfloſſen,
In welche heut zurück wir ſehn,
Ein Menſchenalter, abgeſchloſſen,
So wyidd's vor unſerem Geiſte ſtehn. Hier ward in ſtetem Vorwärtsſchreiten Gelehrt, gelernt, mit Kraft und Mut, Hier ward im Wandelgang der Zeiten Bewahrt des Lebens reinſtes Gut.
Wenn Waffenlärm und Kriegesflammen Die Zeit durchtobten, ſchickſalsſchwer, Freiheit und Hoffnung brach zuſammen Vor drohndem Unheil ohne Wehr: Hier in des Daſeins engſten Schranken Von Not und Klagen nicht erſchlafft, Ward ſtill an ewigen Gedanken Geſchult der Geiſt, genährt die Kraft.
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IV
Die Heldenſchar, die mutentſchloſſen Im Tod fürs Vaterland zerbrach, Die Geiſteskraft hat unverdroſſen Gehalten, was ſie einſt verſprach⸗ Der Quell, der wachſend ausgegangen Aus dem beſchränkten Mutterhaus, Befruchtend und vom Licht umfangen Strömt er zur Ewigkeit hinaus.
Ehrwürdig muß die Stätte bleiben, Die jedem gab, der ſie betrat,
Den geiſt'gen Inhalt für das Treiben Der Welt, den ſichern Lebenspfad; Die Tauſende an ihren Stufen
Zu ſtillem Fleiß willkommen hieß, Und, wenn ins Leben abgerufen, Mit innern Schätzen ſie entließ⸗
Wi feiern heut ſie. Nicht bezwungen Hat ſie der Zeit, des Alters Macht. Von neuer Jugend Geiſt durchdrungen, Steht feſt ſie noch als treue Wacht: Als treue Wacht für reines Streben Als friſchen Geiſtes Hort und Haus, Sie fördre dauernd neues Leben
Noch auf Jahrhunderte hinaus!


