Gorſott⸗
Nachdem durch Verfügung des Königlichen Pro⸗ vinzialſchulkollegiums vom 28. März 1874 die Er⸗ weiterung des hieſigen Progymnaſiums zu einem Gymnaſium von Oſtern desſelben Jahres ab ange⸗ ordnet war, wurde dieſes am 23. April, dem Säku⸗ lartage der Erhebung der faſt 250 Jahre alten La⸗ teinſchule zu einem akademiſchen Pädagogium, feier⸗ lich eröffnet. Nach dem Datum dieſer Eröffnung wäre alſo der 23. April 1924 der Tag geweſen, an dem das Dillenburger Gymnaſium die Gedenk⸗ feier ſeines 50jährigen Beſtehens als Vollanſtalt zu begehen hatte. Mancherlei Umſtände, insbeſondere die mit Beginn dieſes Schuljahres einſetzende durch⸗ greifende Schulreform, die in den erſten Wochen alle Teile der Schule überaus ſtark in Anſpruch nahm, nicht zuletzt auch die Erwartung, es würde eine größere Anzahl von Gäſten einer Einladung zur Jubelfeier im ſchönen Herbſt nach einer gewiſſen Verbeſſerung auch der wirtſchaftlichen Verhältniſſe des Einzelnen eher Folge leiſten als im rauhen Frühjahr, veranlaßten uns, die Gedenkfeier in den Anfang des Septembers zu verſchieben.
Jubiläen ſind Ruhepauſen, Feierſtunden, die zur Beſinnung und zum Danken einladen. Mit Recht wird daher bei einer Schuljubelfeier zunächſt der Geiſt eine Rückſchau in die Vergangenheit halten. Es lag ſo der Gedanke nahe, die von dem ehemaligen Anſtaltsleiter, dem Profeſſor Dr. Karl Fiſcher, verfaßte Geſchichte der Schulel), die die Zeit von ihrer Gründung bis zu ihrer Ein⸗ gliederung in das naſſauiſche Staatsweſen im Jahre 1817 umfaßt, bis auf die neueſte Zeit fortzuſetzen und mnsbeſondere diejenige der letzten 50 Jahre zur Darſtellung zu bringen. Daß die naſſauiſche Zeit(1817— 66) in dieſer Feſtſchrift, die ihrem Anlaß nach eigentlich nur die letzte Periode der Anſtaltsgeſchichte zu umfaſſen hätte, Aufnahme ge⸗ funden hat, erklärt ſich aus dem Beſtreben des Verfaſſers, keine Lücke in ihrem Entwicklungsgang klaffen zu laſſen. Er hat ſich ſogar, da er vermutet, daß die Darſtellung der älteren, oraniſchen Zeit nicht in der Hand vieler Leſer iſt, dazu verleiten laſſen, auch dieſen Teil im Auszug voranzuſtellen. Die letzte Periode ſeit dem Beſtehen des Gym⸗ naſiums freilich, die ihm urſprünglich als paſſendſte Feſtgabe vorſchwebte, hat er einſtweilen zurück⸗ ſtellen müſſen. Denn abgeſehen von der Zeitein⸗ buße, die das Studium der Akten aus naſſauiſcher Zeit mit ſich brachte, gewann er die Ueberzeugung,
Dillenburg, im Juli 1924.
daß es für einen, der ſelbſt nur noch eine letzte kleine Spanne in dem zu umfaſſenden Zeitraume geſtanden hat, äußerſt ſchwer ſein würde, eine allen Teilen gerecht werdende Darſtellung zu geben, wenn anders er den Leſern nicht blutleere Schemen ihrer ehemaligen Lehrer vorſetzen wollte. An Stelle einer zuſammenhängenden Darſtellung ſind für dieſe Zeit ausführliche Lehrerverzeichniſſe und eine Abiturienten⸗ liſte beigegeben worden, die den Feſtgäſten, ſoweit ſie der Schule angehört haben, die Möglichkeit bie⸗ ten ſollen, ſich in die eigene Schulzeit zurück zu ver⸗ ſetzen. Denn ſchon beim Durchblättern dieſer Le⸗ bensabriſſe der ehemaligen Lehrer und der Namen der Mitſchüler wird ſich vor dem Leſer ein ſchönes Stück Schulgeſchichte entfalten, und dem ſo entſtan⸗ denen individuell gefärbten Bilde möchte der Ver⸗ faſſer nicht vorgreifen.
Wenn auch, worauf Fiſcher am Schluſſe ſeines Berichtes bereits hingewieſen, von 1817 ab die voll⸗ ſtändigen Programme der Anſtalt vorhanden ſind, ſo bieten dieſe Archivalien im ganzen doch nicht viel mehr als eine Summe äußerer Begebenheiten: die erledigten Lehrpenſen, die Verteilung des Unter⸗ richts, den Beſtand des Lehrerkollegiums, die Er⸗ weiterung der Sammlungen uſw. Dagegen gewähren die in den naſſauiſchen Zeiten oftmals beigegebe⸗ nen Abhandlungen meiſt ſehr feſſelnde Einblicke in den inneren Entwicklungsgang unſerer Schule, wie er ſich im Anſchluß an die Wandlungen vollzog, die das humaniſtiſche Unterrichtsweſen des Herzog⸗ tums durchgemacht hat. Selbſtredend kann im Rah⸗ men dieſer Feſtſchrift eine Erörterung der intereſ⸗ ſanten Fragen der Schulorganiſation, Lehrverfaſſung, Disziplin, der allgemeinen und beſonderen Didaktik nicht umfaſſend ſein. Die folgende Darſtellung wird ihnen indeſſen nicht aus dem Wege gehen, mußte ſich aber auf große Ueberblicke und auf das beſchrän⸗ ken, was einer beſonderen Hervorhebung würdig er⸗ ſchien.
Auch ſo hofft der Verfaſſer den ehemaligen Schülern und den Freunden der Anſtalt bis zu einem gewiſſen Grade zu Dank gearbeitet zu haben. Aber auch er hat eine Dankesſchuld abzutragen an die beiden Studienaſſeſſoren, Herren Dr. Wilhelm Kroh und Dr. Wilhelm Schranz, die als ehe⸗ malige Schüler und jetzige Lehrer der Anſtalt an dem Zuſtandekommen dieſer Arbeit durch Aufſtellung der Liſte ſämtlicher Abiturienten nicht unweſentlich beigetragen haben.
Bockor, Studiendirektor,
1) Beigabe zum Seofäbeg, Beſtehen der Anſtalt. Programm Dillenburg 1887. Vergl. zur Schulgeſchichte ferner: 1.„Kurze geſchichtliche Dar⸗
ſtellung der alten lateiniſchen Programm 1818. Vergangenheit. Die lateiniſche Schule auf dem
2. Rede, gehalten bei der Eröffnung des Gymnaſiums am 23. April 1874 von A. Spieß. Programm 1875. cholßberg von Dr. C. Dönges(Zeitung für das Dillthal vom Samstag, dem 18. Auguſt 1900.)
zule und des darauf gefolgten ehemaligen Pädagogs zu Dillenburg“ von Joh. Konr. Kretzer, Rektor des Pädagogiums,
3. Aus Dillenburgs


