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12. Der Bau der Odenwaldbahn.
Schon 1861 hatte ſich in Erbach i. O. ein Eiſenbahnkomitee gebildet, den Bau einer Eiſenbahn durch den Odenwald zu be⸗ treiben; die kriegeriſchen Verwicklungen ließen die Sache etwas zurücktreten. Nach Beendigung des Krieges von 1866 wurde die Agitation neu aufgenommen. Die natürliche Linie ſchien die Müm⸗ ling mit der Ausmündung der Bahn in Dieburg, als einer Station der Eiſenbahnlinie Aſchaffenburg⸗Darmſtadt. Verſammlungen zu Höchſt am 28. April 1867, zu Michelſtadt am 12. Mai 1867, zu Erbach am 18. Mai 1867 ſprachen ſich in dieſem Sinn aus.
Bald ſetzte aber auch eine lebhafte Bewegung für ein Gegen⸗ projekt ein, für eine Linie über Reinheim, Brensbach, König und Erbach. Darmſtadt und Reinheim waren die Mittelpunkte der Agitation für dieſe Modau⸗Gerſprenztal⸗Bahn.
Ende Juni 1867 brachte der Abgeordnete von Jungenfeld in der heſſiſchen Kammer den Antrag ein, die Odenwaldbahn über Babenhauſen, Seligenſtadt und Groß⸗Steinheim zu führen, während der Abgeordnete Huy die Linie Darmſtadt⸗Reinheim, Groß⸗Bieberau, Michelſtadt, Hirſchhorn, Neckarſteinach vorſchlug. In beiden Projekten war alſo Dieburg ausgeſchaltet.
Der 5. Auguſt 1867 brachte der heſſiſchen Kammer eine große Eiſenbahndebatte. Die Abgeordneten Zehntgraf, Stockhauſen, Seitz, Goldmann ſprachen für die Linie Dieburg⸗Groß⸗Umſtadt⸗ Michelſtadt, Hallwachs, Dernburg und Metz für Darmſtadt⸗Rein⸗ heim⸗Groß⸗Umſtadt; mit allen gegen 15 Stimmen ſprach ſich die Kammer für die Bahnlinie Dieburg⸗Groß⸗Umſtadt⸗Erbach aus.2
In Darmſtadt und Reinheim beſchloß man Sturmpetitionen beim Großherzog gegen dieſen Kammerbeſchluß, und anfangs Sep⸗ tember eröffnete Sr. Kgl. Hoheit dem Miniſterium, daß nach Prüfung der verſchiedenen Odenwaldbahn⸗Projekte die Linie von Darmſtadt durch das Gerſprenz⸗ nach dem Mümlingtal als dem Intereſſe des Landes wie der Reſidenz vornehmlich entſprechend erachtet werde.“
Nach dem Bekanntwerden dieſer Allerhöchſten Entſchließung veranſtaltete die Darmſtädter Bürgerſchaft am 23. November 1867 dem Großherzog eine Fackelſerenade und überreichte eine Dank⸗ adreſſe mit den Unterſchriften von 2000 Bürgern und den Ver⸗ tretern von nahezu 60 Gemeinden des vorderen Odenwaldes. Geometer Dieter von Reinheim, der unermüdliche Agitator für die Linie Darmſtadt⸗Reinheim, überreichte mit dem Bürgermeiſter von Darmſtadt perſönlich dem Landesfürſten die Adreſſe.“
1 St. Pr. Nr. 36 vom 3. Mai 1867, Nr. 40 vom 17. Mai 1867, Nr. 42 vom 24. Mai 1867.
² St. Pr. Nr. 63 vom 9. Auguſt 1867.
3 St. Pr. Nr. 90 v. 12. November 1867 und Nr. 91 v. 19. November 1867.
* St. Pr. Nr. 94 v. 26. November 1867 und Nr. 95 v. 29. November 1867.


