Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Gut 20 Jahre ſpäter ſollte auch Dieburg dem großen Ver⸗ kehr angeſchloſſen werden. Schon ging von Darmſtadt nach Heidelberg die Main⸗Neckarbahn(ſeit 1848), von Frankfurt nach Gießen die Main⸗Weſerbahn(ſeit 1850). Jetzt ſollten Rhein und Main durch eine Eiſenbahn verbunden werden.

Jahrhunderte lang hatten die beiden Städte Aſchaffenburg und Mainz im Mainzer Kurſtaat zuſammengehört, dann hatte die Diplomatie ſie gewaltſam auseinandergeriſſen; die Schienen⸗ ſtränge ſollten ſie jetzt wieder vereinen; und gerade damals war das heſſiſche und bayeriſche Fürſtenhaus durch die unvergeßliche Großherzogin Mathilde eng verbunden.

Bodenſchwierigkeiten bot die Rhein⸗Mainbahn keine dar; nur die beiden Flüſſe mußten überbrückt werden. Heute noch be⸗ wundern wir die ſtolz in den Lüften ſich wölbenden Gitterbogen der Mainzer Eiſenbahnbrücke, in der damaligen Zeit mag ſie noch größeres Staunen erregt haben; erſt am 20. Dezember 1862 wurde ſie dem Bahnverkehr übergeben, vorher wurde er von der Guſtavs⸗ burg nach Mainz vier Jahre lang durch eine Dampffähre unter⸗ halten.

Die Mainbrücke bei Stockſtadt wurde 1858 vollendet; am 21. Auguſt wurde in Gegenwart König Ludwigs von Bayern und der Großherzogin Mathilde von Heſſen das Feſt der Schluß⸗ ſteinlegung gefeiert.

Am 18. Juli 1858 fanden zwiſchen Darmſtadt und Guſtavsburg⸗ Mainz verſchiedene Probefahrten ſtatt, die gut ausfielen; mit dem letzten Zug, der um ½9 Uhr abends von Mainz nach Darmſtadt ging, fuhr auch die Großherzogin zurück.

Am 1. Auguſt 1858 endlich wurde die Rhein⸗Mainbahn zwiſchen Darmſtadt und Guſtavsburg⸗Mainz dem Verkehr über⸗ geben; täglich verkehrten fünf Züge von und nach Darmſtadt.

Über die Leichtigkeit und Bequemlichkeit der Fahrt die Wagen hatten Fenſterſcheiben, was bei denen der Main⸗Neckarbahn noch nicht der Fall war, herrſchte nur eine Stimme des Lobes. Der zweite Teil der Bahnlinie, Aſchaffenburg⸗Darmſtadt, nahte nach Fertigſtellung der Mainbrücke bei Stockſtadt Lothary aus Mainz war der Bauunternehmer ebenfalls ihrer Vollendung, und am 30. Oktober 1858, 11 Uhr vormittags brauſte von Aſchaffenburg kommend mit einigen Wagen, die mit Eiſenbahn⸗ bedienſteten beſetzt waren, die erſte Lokomotive bis Dieburg; als der Bahnbrecher einer neuen für den Verkehr, Handel und

1 St. Pr. Nr. 69 vom 28. Auguſt 1858. * Ebenda Nr. 59 vom 24. Juli 1858. ³ Ebenda Nr. 62 vom 3. Auguſt 1858.