Aufsatz 
Geschichte des Großherzoglichen Gymnasiums zu Darmstadt : Festschrift zur Feier des 250jährigen Jubiläums dieser Schule am 23. und 24. April 1879 / Von Wilhelm Uhrig
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

fürhanden, alſo gethan ſein, damit thunliche qualificirte Perſonen zu ſolchen Funktionen zu bringen, auch fürder in gehörigem Fleiß ohne Verdruß dabei zu erhalten ſeien.

Der am 27. Juli 1626 erfolgte Tod des Landgrafen verzögerte nur für kurze Zeit die Ausfüh⸗ rung ſeines hochherzigen Planes; denn ſchon am 1. Januar 1627 erließ ſein Nachfolger Landgraf Georg II. folgende Beſtimmung, durch welche das Paedagogium zu Darmſtadt ins Leben gerufen und zugleich die Erbauung eines Schulgebäudes, ſowie die Beſchaffung der für die neue Anſtalt erforderlichen Geldmittel ꝛc. und deren Verwaltung durch einen Collector angeordnet wurden. Das Edict, deſſen Eingangsworte als Beweis einer wahrhaft landesväterlichen Sorge für das geiſtige Wohl der Unterthanen, wohl verdienen, der Nachwelt aufbewahrt zu werden, lautet folgendermaßen:

Von Gottes Gnaden, Wir Georg, Landgraff zu Heſſen ꝛc. thun kund hiermit, vor Uns, Unſre Erben, und nachkommende Fürſten zu Heſſen, öfendlich bekennende, demnach weiland der Hochgeborene Fürſt Herr Ludwig, Landgraff zu Heſſen ꝛc. Unſer in Gott ruhender, gnediger, hertzallerliebſter Herr und Vatter, und auf dero hohes ernſtes und theyres gebott, nach ſeiner vätterlichen gnaden tödlichem Hintritt wir ſelbſt in Chriſtlichem Eifer bedechtiglich zu gemüth gezogen, welcher geſtalt der allmechtige Gütige Gott Unß in den Fürſtlichen Stand und obrigkeit geſetzet auch mit land und leuten zuforderſt aber mitt der reinen wahren und allein Selig machenden lehr und dem heiligen wort Gottes gnediglich begabet da⸗ für ſeiner Göttlichen allmacht wir billich lob und danck ſagen, darbey auch vermittelſt Göttlicher verleihung die zeit Unſers lebens beſtendiglich zu verharren entſchloſſen ſind, und Uns daneben nichts höheres anlieget dan daß Wir ſolche Chriſtliche lehr ſowohl bey Unſern Uns von Gott verliehenen landen und leuten er⸗ halten und fortpflantzen alß auch auff Unſre posteritaet und nachkommen transmittiren und bringen mögen, und eben zur erhaltung und fortpflantzung reiner und geſunder Göttlicher lehr auch zur beförderung der heilſamen Justiz und Gottſeligen weſens und wandels nechſt Göttlicher begnadigung nicht nützlicheres fürträglicheres und nothwendigeres als wohlbeſtellte Schulen anzuordnen und zu fundiren, in welchen alß in Gottes des H. Geiſtes officinen ſowohl zu Kirchen und ſchulen, alß auch zu dem weltlichen regiment und guter pollicey die gemüther der jugend gebildet und informiret und hier⸗ nechſt, wenn mehreres Alter herzukompt, tüchtige und qualificirte perſonen auferzogen und underrichtet werden: Daß wir derohalben Gott dem allmechtigen zu ehren lob und preiß aus treuherziger Landsfürſt⸗ licher affection und liebe gegen unſre Lande und leute und auch der lieben posteritaet zu zeitlichem und ewigen gedeyen und wolfarth ſodan Unſerm Hochlöblichen frommen Herrn Vattern Landgraf Ludwig zu Heſſen ꝛc. zu Söhnlicher reverentz Ehrerbietung und nachfolgung ein feines wohl beſteltes Paedagogium allhier in Unſere residenzſtatt Darmſtatt anzuordnen Unß vorgenommen auch zu deſto beſſerer und noth⸗

wendiger underhaltung derer dazu beſtellter praeceptorum 400 fl. geld aus Unſrer Fürſtlichen Rent⸗ kammer gnedig deputiret und erblich verwilligt haben, welche lifferung auß unſrer Fürſtl. Rentkammer ohnfehlbarlich geliefert werden ſoll, bis wir oder unſre nachkommen ein mehreres und kein

wenigeres auswerfen werden; daß nun dieſer ernſter befehl will und meinung ſey, daß wir auch diejenigen, die dieſen brief kränken wollen, Gottes Gericht heimgeben laſſen.

Die in dem Edicte angewieſene Summe von jährlich 400 fl. deckte nur einen Theil der für das Paedagogium nothwendigen Ausgaben; das Geſammterforderniß war 1035 fl. an Geld, 110 Malter Korn, 37 Malter Gerſte, wozu noch Brennholz und verſchiedene unbedeutende Poſten kamen. Hierzu hatten ver⸗ ſchiedene geiſtliche Landkaſten und Schulkaſten beizutragen, auch erſcheint ein jährlicher Beitrag der Stadt von 44 fl. 20 alb. in Rechnung, über deſſen Entſtehung urkundliche Belege fehlen. Ein dem Paedagogium von dem Landgrafen geſchenktes Kapital von 1000 Rthlr.welche Raphael Nordeck zur Rabenau wegen ſeines ver⸗ übten Exceſſes zu wohlverwirkter Straf geſetzt ſind iſt nach einer Notiz des erſten Rectors verbaut wor⸗ den, gab alſo keinen weiteren Ertrag, ebenſo fehlen in der Rechnung die überwieſenen Zinſen eines von Marburg zurückfallenden Kapitals. Daß der Geſammtaufwand, den die Gründung des Paedagogiums und das Schulgebäude verurſachten, für jene Zeit beträchtlich genug geweſen, geht aus folgendem Actenſtücke hervor: