Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
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die klaren von den verworrenen Köpfen u. ſ. w. unterſcheiden; der Schwätzer kennt ſeine Schüler niemals. Der Fehler der Schwatzhaftig⸗ keit, welcher theils aus allzugroßem gutmüthigem Eifer, indem man es immer noch beſſer glaubt ſagen zu müſſen, theils aus dem Gefühle der Unklarheit und Schwäche, die man mit Worten verhüllen will, theils aus Selbſtgefälligkeit, in der man ſich gar zu gern ſelbſt reden hört, theils aus Trägheit, weil man am leichteſten unterrichtet, wenn man in einem Seil fortſpricht, und aus manchen andern Gründen ent⸗ ſteht, hindert die Prüfung der Schüͤler darum ſo ſehr, weil er erſtens ihre Gedanken gänzlich zurückſchlägt und zweitens ihnen gar keine Zeit zur Außerung läßt, indem immer verbeſſert und eingefallen wird, ehe ſie noch halb ausgeſprochen haben.

Ich rechne hierauf ferner, daß der Lehrer eine gute Zucht handhabe. Wenn ein Schüler durch den andern zerſtreut, Unaufmerkſamkeit nicht gerügt wird, überhaupt nicht der zum Lernen nöthige Ernſt Statt findet, ſo kann nicht beurtheilt werden, was die Schüler leiſten können, weil man nicht weiß, was ſie leiſten wollen. Die Erfahrung lehrt auch, daß diejenigen Lehrer, welche keine angemeſſene Disciplin handhaben, auch nie im Stande ſind, über die Fähigktit der Schüler ein wohlbe⸗ gruͤndetes Urtheil abzugeben. Eine barbariſche Zucht würde freilich das Gegeutheil bewirken, indem die Kinder eingeſchüchtert werden und der nöthigen Heiterkeit entbehren würden.

Liebe muß vielmehr das ganze Betragen des Lehrers beſeelen, auf die Weiſe, welche ihm am natürlichſten iſt. Dieſe Liebe braucht ſich nicht durch beſondere Vergünſtigungen und dergleichen, am wenigſten in einem häßlichen Ton zu äußern. Wenn ſie nur wirklich da iſt, ſo füh⸗ len ſie die Schuͤler gar bald heraus. Zu einem ſolchen Lehrer werden ſie zutrauensvoll herangezogen, ihr Geiſt liegt vor ihm offen, und er kann darum mit Leichtigkeit alle Mittel, die wir zur Prüfung der Gei⸗ ſter haben, in Anwendung bringen. Soll dieſe Liebe fruchten, ſo muß es aber eine allgemeine ſein. Partheilichkeit des Lehrers hat die ver⸗ derblichſten Folgen; ihm verſchließen ſich die Gemüͤther, und ſeine Beur⸗ theilung iſt ja darum ſchon befangen, weil er an den bevorzugten Schü⸗ lern das Gute gerne ſehen will.