Einleitung.
Erziehen im weiteren Sinne heißt: auf ein organiſches Weſen ſo einwirken, daß es(durch eigene inwohnende Kraft*) ſich ſelbſt ent⸗ wickele; Erziehen im engeren Sinne heißt: auf einen Menſchen zu dem Zwecke und mit dem Erfolge einwirken, daß er ſich(von Innen heraus) entwickele**). Erziehen iſt alſo ein Bilden. Bei jedem Bil⸗ den, mithin auch bei dem Erziehen, ſind, wenn es mit deutlichem Be⸗ wußtſein geſchehen ſoll, die drei Vorfragen zu beantworten: was, wozu, wodurch iſt zu bilden, beziehungsweiſe zu erziehen? oder über Gegenſtand, Zweck und Mittel der Erziehung. Die erſte dieſer Fra⸗ gen iſt ſchon darum die wichtigſte, weil von ihrer Beantwortung die
*) Dieſe Beſtimmungen liegen, genau genommen, ſchon in dem Begriffe der Entwickelung.
**) Profeſſor Beneke gibt(im erſten Bande S. 1 u. 2 der Erziehungs⸗ und unterrichtslehre, Berlin 1835) als Grundverhältniß der Erziehung an:„die gebildete Vernunft zieht die ungebildete zu ſich hinauf;“ und fügt die Erklä⸗ rung hinzu:„Erziehen bedeutet hinauf ziehen;“ in dieſer Art findet ſich die Silbe„er“ auch in vielen andern Wörtern, wie: erheben, erſtehen, erbauen, erwachſen. Er verwechſelt, wie mir es ſcheint, hier zwei verwandte Begriffe, denn„er“ bedeutet nicht hinauf, ſondern herauf, hervor, heraus; ſo in: er⸗ ſcheinen, erdenken, erklären, erfinden u. ſ. w. auch in den von Beneke ſelbſt angeführten Wörtern. Dieſe Erklärung ſcheint auf das Weſen der Erziehung ein bezeichnenderes Licht zu werfen. Auch ſcheint mit Beneke's Deſinition nicht gut zu vereinigen, was er ſelbſt S. 15 von den drei Erziehern des Menſchen der Natur, dem Schickſal und andern Menſchen ſagt.
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