Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
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Vorrede.

Reuſſeau ſprach den Wunſch aus, daß ein Mann von Beurtheilung uns eine Abhandlung geben möchte über die Kunſt, wie man Kinder zu beobachten habe. Ich halte dieſen Wunſch für einen der wohlbegründeteſten, welchen jener Weltweiſe je⸗ mals geäußert hat; denn abgeſehen von dem großen Nutzen, welchen die genaueſte Kenntniß des Zöglings für den Erzieher und die Erziehung im Allgemeinen hat, ſo iſt es beſonders für den Lehrer eine der wichtigſten Aufgaben, die eigenthümlichen Kräfte des Schülers zu erforſchen, indem die Kenntniß nur der allgemeinen auch nur auf die allgemeine Beſtimmung des Menſchen, nicht aber auf ſeinen Beruf hinleitet, auch für den Unterricht nicht die beſondere Materie und Form gibt. Der Beruf des Menſchen ſoll nach ſeinen individuellen Kräften be⸗ ſtimmt werden. Man könnte einwenden, daß dieſes nicht im⸗ mer thunlich ſei, weil doch auch die Neigungen des Schülers und die Verhältniſſe, in welchen er lebt, bei der Wahl des Berufes in Betracht kommen. Indeſſen geben die Anlagen hier einen weit zuverläſſigeren Wink, weil ſie weniger wechſelnd, als die Verhältniſſe und Neigungen ſind, wenn dieſe nicht auf Anlagen beruhen, auch mehr auf das Innere und Bleibende, als auf das Außere und Zufällige des Berufes gehen. Sollte aber der Lehrer bei der Wahl des letztern wenig gehört, auch, was damit gewöhnlich zuſammenhängt, die Beſtimmung des