— 29—
mittel. Mehrere Leſebücher ſchenkte der Oberprimaner W. Stühlen; Herr Pfarrer Houben in Niederzeuzheim ein hölzernes africaniſches Götzenbild; Herr Buchdruckereibeſitzer A. Sauerborn in Montabaur das Prachtwerk von Ziemſſen:„Friedrich, Deutſcher Kaiſer und König von Preußen“. Herr J. A. Waldſchmitt in Wetzlar(der als Mitglied der Obererſatzkommiſſion eine Zeit lang ſich hier aufhielt und für unſere Samlungen, beſonders die der oſtindiſchen Schmetterlinge, ſich lebhaft intereſſierte) eine hübſche Samlung von Mineralien aus der Gegend von Wetzlar. Herr Dr. Führer, Direktor des Landesmuſeums in Luknow(Oſtindien), ſchenkte wiederum eine wertvolle Samlung oſt— indiſcher Vogelbälge, an 400 Stück, die erſt zum Teil ausgeſtopft und aufgeſtellt ſind; außerdem 16 Terrakotten.(Vgl. unter V). Allen Gebern ſagen wir unſern herzlichſten Dank.
Die Pfingſtferien dauerten vom 19. bis zum 27. Mai.
Vom 11.—13. Juni war Herr Prof. Breuer zum Schwurgericht nach Neuwied einberufen. Die Stunden deſſelben wurden nach Möglichkeit anderweitig benutzt.
Am Freitag 15. Juni um halb 3 Uhr traf hier die Trauerbotſchaft ein, daß S. Majeſtät Kaiſer Friedrich III. ſeinen ſchweren Leiden endlich erlegen ſei. Der Direktor ließ ſofort die Schüler auf dem Turnplatz hinter dem Gymnaſium zuſammentreten, verlas das eingelaufene Telegramm und ſchloß dann für den Tag den Unterricht. Die offizielle Gedächtnisfeier wurde gemäß höherer An⸗ ordnung am 30. Juni begangen. Lehrer und Schüler, ſowie einige Freunde der Anſtalt verſammelten ſich in dem zu dieſem Zwecke entſprechend ausgeſtatteten großen Rathausſaale. Der Direktor entwarf in ſeiner Rede ein Lebensbild des entſchlafenen Herrſchers und betonte namentlich ſeine Verdienſte um die Gründung des neuen deutſchen Reiches und ſeine heldenhafte Geduld, mit der er ſein langes ſchmerzhaftes Leiden ertragen hat.
Am 29. Juni erkrankten zu gleicher Zeit die Herren Kollegen Prof. Breuer und Ober⸗ lehrer Schmitz und mußten bis zum 8. Juli vertreten werden. Die Vertretung übernahmen vor⸗ zugsweiſe die Hülfslehrer Stemmler und Strunk.
Die Herbſtferien, die am 14. Auguſt begonnen hatten, mußten diesmal bis zum 24. September verlängert werden; die Menge der bis zu dieſem Tage hier einquartierten Truppen war ſo groß, daß die von unſern auswärtigen Schülern bewohnten Zimmer zur Unterbringung der Soldaten ver⸗ wendet werden mußten.
Am 18. October wurde in den einzelnen Klaſſen nachmittags von 3—4 Uhr eine Gedenk⸗ feier zu Ehren Sr. Majeſtät des verſtorbenen Kaiſers Friedrich abgehalten. Ebenſo wurde am 9. März 1889 vom geſamten Gymnaſium der Todestag, am 22. März der Geburtstag weiland Sr. Majeſtät des Kaiſers Wilhelm I. durch angemeſſene Geſänge und Anſprachen an die Schüler be⸗ gangen.
Am 27. Januar wurde der Geburtstag Sr. Maj. des Kaiſers Wilhelm II. im großen Rat⸗ hausſaale feſtlich in herkömmlicher Weiſe gefeiert. Die Feſtrede hielt Herr Gymnaſiallehrer Wurm.
Vom 7. bis 12. Februar machten die Abiturienten die ſchriftlichen Prüfungsarbeiten; am 15. und 16. März fand die mündliche Prüfung ſtatt. Neun Schüler wurden von derſelben entbunden; die übrigen zwölf erhielten ebenfalls das Zeugnis der Reife. Da der Herr Provinzialſchulrat am Erſcheinen verhindert war, ſo hatte das Kgl. Prov. Schulkollegium den Direktor mit der Leitung beauftragt.
Am 20. Februar wohnte der Herr Provinzialſchulrat Dr. Lahmeyer dem Unterricht in den verſchiedenen Klaſſen bei.
Wegen der allgemeinen Landestrauer verzichtete das Gymnaſium im Sommer 1888 auf den gewohnten Ausflug.


