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unterrichts auf Grund der beſtehenden Vorſchriften in drei Worte zuſammen: es ſollen die Gymnaſien ihre Zöglinge zu gebildeten Menſchen, zu Patrioten, zu Chriſten erziehen.
Erlauben Sie mir, g. A., über jeden dieſer drei Cardinal⸗ puncte eine kurze Betrachtung, welche Ihnen in den allgemeinſten Zügen mein Lehrerbekenntnis vor die Augen ſtellen ſoll.
Vor allem ſoll alſo das Gymnaſium ſeine Zöglinge zu gebil⸗ deten Menſchen machen. Der Menſch aber beſteht aus Leib und Seele, und wer ihn bilden will, hat die Anlagen ſeines Leibes und Geiſtes zu vollſtändiger Entfaltung zu bringen. Sehen wir hier von dem Leibe ab und faßen den Geiſt allein in's Auge, ſo ergibt ſich die harmoniſche Entwickelung aller Geiſteskräfte als die Aufgabe der Gymnaſialbildung. Und welches Bildungsmittel ent⸗ ſpricht dieſem Zweck? Alle ohne Unterſchied dienen ſie demſelben, im höchſten Sinne aber entſpricht ihm allein dasjenige Bildungs⸗ mittel, welches die verſchiedenen Seelenvermögen zu gleicher Zeit und in gleichem Maße entwickelt. Dies aber thut kein anderes als die Sprache. Denn was iſt die Sprache? Sie iſt der Geiſt ſelbſt in ſeiner unmittelbarſten und allſeitigſten Aeußerung; Bild iſt ſie und Spiegel von dem geſammten Innenleben des Menſchen und ſeiner Beziehungen ſowohl zu der Außenwelt, in die er ſich geſtellt findet, als zu dem Idealreich, mit dem er ſich durch un⸗ ſichtbare Bande verknüpft weiß. Gleichwie die Schöpfung ſich zu dem Geiſte des Schöpfers, ſo verhält ſich die Sprache zu der Seele des Menſcheu. In keinem anderen Material drückt ſich der Geiſt ſo ganz und ſo rein aus, wie in der Sprache; das Wort ſchwebt als ätheriſch feine Subſtanz gleichſam in der Mitte zwiſchen Stoff und Geiſt und eignet eben deshalb dem letzteren vorzugsweiſe zu⸗ ſeiner irdiſchen Ausgeſtaltung. Es bleibt demnach und bewegt ſich der Geiſt in ſeinem eigenſten Elemente, indem er ſich mit der Sprache beſchäftigt, und Sprachen lernen heißt, wenn es richtig betrieben wird, ſich mit dem Weſen, den Eigenſchaften und Ge⸗ ſetzen des Geiſtes ſelbſt, folglich mit der geſammten geiſtigen Or⸗


