Aufsatz 
Antrittsrede
Entstehung
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Mein erſtes Wort, das ich als Vorſteher dieſer Auſtalt rede, ſei ein Lobpreis des Herrn unſeres Gottes, von dem jede gute und vollkommene Gabe kommt. Gottes Wille iſt es, daß ich ſtehe an dieſer Stätte, nicht mein Rennen und Laufen hat mich hierher gebracht. Keinen Schritt habe ich zu dem Ende ge⸗ than, nur Ja habe ich geſagt, als die Frage an mich herantrat. Somit weiß ich, daß ich durch Gottes Willen bin was ich bin, und in dieſer Gewisheit leuchtet mir ein Stern freudigſter Hoff⸗ nung auf. Der Gott, der mich in's Amt geruſen, wird allewege mir beiſtehen, Seine Kraft wird meine Stärke ſein in meiner Schwachheit. Lob und Preis darum ſeinem heiligen Namen und das Gelübde aus tiefſter Bruſt: Ich werde ſein, Herr! und thun, was Du mir gibſt zu ſein und zu können.

Mein zweites Wort ſei ein Wort des Dankes für unſern König und Herrn, durch den Gott mir das Dircclorat des Gymnaſtums verliehen hat. Das Allerhöchſte Reſcript ſpricht die Erwartung aus, daß ich in echten Treuen gegen die Perſon Sei⸗ ner Majeſtät mein Amt führen werde. Ja, ja! das will ich, und Gott der Heir, der mir das Wollen gibt, wird zu Seiner Ehre mir auch das Vollbringen geben. Treu zu ſein einem Fürſten, durch den Gott ſoviel gethan, macht das Herz mir zum Bedürfnis und das Gewißen zur Pflicht. Wer Augen hat für Gottes Wal⸗ ten in der Geſchichte, für den iſt König Wilhelms providenzielle Weltſtellung eine unbeſtreitbare Thatſache. Wem danken wir's, daß der Rhein noch heute Deutſchlands Strom, nicht Deutſchlands Grenze iſt? daß däniſcher Uebermuth nicht mehr unſere ſchleswig⸗ holſteiniſchen Brüder höhnt? Dem Geiſte der Kraft verdanken wir's, womit Gott der Herr Preußens König gegürtet hat. Und vollends die Thatenwunder, welche der König mit ſeinem Heere