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ſich der Erwiederung nicht ſo ohne Weiteres verſichert hält. Die Ankunft des Fürſten unterbricht das Zwiegeſpräch.
Hat uns dieſe Unterredung ein ziemlich klares Bild von Taſſos Eigenthümlichkeit als Dichter und von ſeinem Verhält⸗ niſſe zu den beiden Frauen gegeben, ſo lernen wir in dem nun folgenden Auftritt ſeinen Character als Menſch von einer Haupt⸗ ſeite, ſodann ſeine Stellung zu dem Fürſten und deſſen Sorgfalt für die Bildung des Jünglings kennen.
2. Scene. Alfons ſpricht bei ſeinem Erſcheinen ſeine Verwunderung gegen die Frauen aus, daß er den Taſſo, den er überall vergebens ſuche, ſogar bei ihnen nicht antreffe. Die Erwiederung der Prinzeſſin: Ich ſah ihn geſtern wenig, heute nicht, aus welcher wir im Gegenſatz zu der unverkennbaren An⸗ ſpielung des Fürſten auf das Verhältnis des Dichters zu den Frauen eine gewiſſe Genugthuung heraushören, veranlaßt den Fürſten zu einer tadelnden Bemerkung über Taſſos Hang zur Einſamkeit. Eleonore hofft des Fürſten Tadel bald in Lob ver⸗ wandelt zu ſehen. Sie hat aus einer flüchtigen Andeutung des Dichters vernommen, daß er damit beſchäftigt ſei die letzte Feile an ſein großes Epos(das befreite Jeruſalem) anzulegen, um endlich der Huld des Fürſten ein wurdiges Opfer der Dankbar⸗ keit darzubringen. Alfons verhehlt weder ſeinen Zweifel an der baldigen Vollendung des Gedichtes, noch die Ungeduld, womit er dieſelbe ſo lange verzögert ſieht. Das viele Ändern, das häufige Unterbrechen iſt ihm unangenehm und mit Unwillen ſieht er den nah geglaubten Genuß in ſpäte Zeit hinausgeſchoben. Wir können der ächt muſenhaften Entgegnung der Prinzeſſin:
Laß ihn, mein Bruder! denn es iſt die Zeit
Von einem guten Werke nicht das Maß;
Und wenn die Nachwelt mit genießen ſoll,
So muß des Künſtlers Mitwelt ſich vergeſſen. unſern Beifall nicht verſagen, dürfen aber eben ſo wenig das Richtige verkennen, welches den Worten des Fürſten zu Grunde liegt. Allerdings iſt es zunächſt die Sehnſucht nach dem baldi⸗


