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Mit ſeiner Klagen Wohllaut Hain und Luft:
Sein reizend Leid, die ſelige Schwermuth lockt
Ein jedes Ohr und jedes Herz muß nach— Mit Ungeduld wird ſie von der Prinzeſſin unterbrochen:
Und wenn er ſeinen Gegenſtand benennt,
So giebt er ihm den Namen Leonore.
Nun kann Eleonore nicht umhin beſtimmter auf das Ver⸗ hältnis einzugehen. In dem Doppelſinn des Namens Eleonore, antwortet ſie, verſtecke der Dichter ſein Gefühl für die Prinzeſſin, ſie ſei zufrieden, daß er ihrer auch bei dem holden Klange die⸗ ſes Namens gedenke. Von dem aber, was man im engeren Sinn Liebe nenne, könne weder bei Taſſo, noch bei ihnen die Rede ſein. Wenn Taſſo die Geliebte feiere, ſo gebe er durch den Gebrauch ihres Namens nur ſeinem Liebesideale eine be⸗ ſtimmte Geſtalt, und wenn ſie von Taſſos poetiſcher Begeiſte⸗ rung hingerißen Liebe für den Dichter fuͤhlten:, ſo ſei das eine bloße Scheinliebe, welche ſich nicht auf die Perſon des Dich⸗ ters, ſondern nur auf die Ideale ſeiner Phantaſie beziehe. Wenn es aber auch eine wirkliche Liebe ſei, ſo ſei es allein die Liebe, in welcher der himmliſche Eros ſich mit Pſychen vermähle, eine Verſchmelzung der Geiſter, der Seelen, kein Verhältnis egoiſtiſcher Leidenſchaftlichkeit.
Wir zweifeln nicht, daß Eleonore ihre wahre Anſicht über das Liebesverhältnis ausgeſprochen habe. Von einer ſinnlichen Liebe der bezeichneten Art kann überhaupt nicht die Rede ſein, auch liegt am Tage, daß der Wunſch dem Dichter etwas zu ſein Eleonore über die wirkliche Stimmung Taſſos gegen ſie getäuſcht hat,*) und ebenſo finden wir in der Verſicherung, ſie ſei zu⸗
*) Act III, Scene 3, Seite 181 ſteht ſie noch immer in dem Wahne das Herz des Dichters mit der Prinzeſſin wenn auch un⸗ gleich zu theilen:
Iſts denn ſo nöthig, daß er ſich entfernt? Machſt Du es nöthig, um allein für Dich Das Herz und die Talente zu beſitzen,


